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“Jeder muss mehr investieren”

Ergün Sahin sieht als Trainer des Landesliga-Aufsteigers TSV Griedel noch Entwicklungsmöglichkeiten

Der TSV Griedel ist mit zwei Siegen und drei Niederlagen aus den ersten fünf Spielen in das Abenteuer Handball-Landesliga gestartet. Im WZ-Interview mit Jan Martin Strasheim spricht der neue Trainer Ergün Sahin über seine Eindrücke.

WZ: Ergün Sahin, Sie sind jetzt rund vier Monate beim TSV Griedel im Dienst. Wie fällt Ihr erstes Zwischenfazit aus?

Ergün Sahin: Wir haben eine gute Vorbereitung absolviert, dennoch müssen wir nach jeder positiven Leistung weiter hart arbeiten und uns stetig verbessern. Die Abwehr ist noch nicht so stabil, wie ich mir das zum Ziel gesetzt habe, da müssen wir noch viel Arbeiten. Im Angriff haben wir schon positive Fortschritte gemacht, aber meine Spieler fallen in manchen Situationen noch zu oft in das alte Spielmuster zurück. Wir müssen und wir haben auch das Können dazu, dass wir unsere Chancen mit mehr Geduld und Cleverness herausspielen.

 

WZ: Der Saisonstart mit dem Heimsieg gegen Eddersheim verlief vielversprechend. Auch die weiteren Heimspiele waren durchaus ordentlich. Warum kann Griedel auswärts noch nicht standhalten?


Ergün Sahin:
Die Heimspiele gegen Eddersheim, Breckenheim und Ober-Eschbach waren eine super Mannschaftsleistung, was mein Team geboten hat.  Da hat man gesehen, dass wir es mit der richtigen Einstellung schaffen, in dieser Liga mitzuhalten. Wenn es uns jetzt noch gelingt 50 Minuten konstant  zu spielen, sehe ich sehr positiv in die Zukunft. Aber dafür muss die  Einstellung und Disziplin stimmen für diese sportliche Ebene. Auswärts in Wetzlar wurden wir kalt erwischt und das ist schon längst abgehackt bzw. vergessen. Wichtig ist es daraus zu lernen und in Idstein haben uns vier Rückraumspieler gefehlt. Wir konnten in dieser Woche vor dem Spiel in Idstein nicht komplett trainieren. Lukas Kipp und Marvin Grieb waren krank, Ziad Rejab gesperrt und Björn Scheurich stand auch nicht zur Verfügung. Dazu kam noch, dass Leo Görlach zwecks Studienvorbereitung an der Uni in Mannheim sein musste. Ein weiteres Problem in Idstein war, dass wir zu viele dumme Zeitstrafen bekommen haben und zeitweise nur mit vier Spielern auf dem Feld standen. In dieser Phase setzten sich die Gastgeber locker dann mit sechs Toren ab. Diesem Rückstand sind wir lange hinterhergelaufen und haben versucht mit taktischen Mitteln diese Tore aufzuholen. Was uns nicht gelungen ist, zu allem Überfluss wurde der Rückstand durch weitere Zeitstrafen immer höher. Aus den Spielen müssen meine Spieler lernen und dann bin ich mir sicher, dass wir auch auswärts punkten.


WZ: Wie sehen Sie Ihr Team in der Landesliga aufgestellt? Wie beziffern Sie die Chancen auf den Klassenerhalt?


Ergün Sahin:
Ich denke, wir sind gut aufgestellt, aber man darf nicht vergessen dass wir viele einheimische, junge Spieler im Kader haben. Wir gehen damit unseren eigenen Weg und geben jungen Spielern, die aus der Jugendabteilung des TSV Griedel kommen, Spielmöglichkeiten, um sich weiter zu entwickeln. Aber auch unsere jungen Spieler müssen wissen, dass die Qualität in der Landesliga eine neue Leistungsebene ist, die man nicht mit der Bezirksoberliga vergleichen kann, das weiß ich durch meine Erfahrungen in den letzten zwei Jahren in Münster. Das versuche ich meinem Team immer wieder bewusst zu machen, dass wir in jedem Spiel voll gefordert werden und dafür muss jeder meiner Spieler mehr investieren, wie bisher, damit wir gegen die hochkarätige Konkurrenz mithalten können. Natürlich haben wir auch zwei sehr erfahrene Spieler, wie Ziad Rejab und Uwe Bonn in unseren Reihen. Ich will aber, dass die jungen Spieler sich weiterentwickeln und sich nicht immer auf die erfahrenen Spieler verlassen. Wenn sich alle in den Dienst der Mannschaft stellen, packen wir das mit unserer Zielvorstellung. Die Verantwortlichen und die Mannschaft haben sich einen einstelligen Tabellenplatz zum Ziel gesetzt und den dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Ich glaube daran, das schaffen wir!


WZ: Welche Handball-Philosophie verfolgen Sie? Welche taktische Ausrichtung bevorzugen Sie?


Ergün Sahin:
In der Abwehr jeden Ball gewinnen und mit Tempo einfache Tore erzielen. Aber das funktioniert nicht immer. Wichtig ist deshalb auch die Videovorbereitung auf den Gegner, um zu erkennen, welche taktischen Möglichkeiten ich habe, um meiner Mannschaft die richtigen Lösungen mitzugeben. Die Abwehr hat die Aufgabe, den Gegner zu  Fehlern zu zwingen und im Angriff gibt es viele taktische Möglichkeiten, um Tore zu erzielen. Das wichtige ist es, Tore zu erzielen, egal wie!

 
WZ: Welche Mannschaften sehen Sie in der Landesliga in der Favoritenrolle?


Ergün Sahin:
Der Favorit auf die Meisterschaft in der Landesliga ist die HSG Wetzlar U23. Diese Mannschaft hat uns schon gezeigt, wie es geht und wie man eine richtig gute Abwehr spielt. Durch starke Abwehrarbeit zu Ballgewinnen kommen und mit einfachem Tempospiel Tore erzielen. Es sind aber erst fünf Spiele gespielt und auch für die HSG Wetzlar U23 wird es kein Selbstläufer werden, deshalb ist eine Aussage zu diesem Zeitpunkt noch zu früh. Nach meiner Meinung gehören Dotzheim und Wettenberg zum weiteren Favoritenkreis.