Der „Griedeler Block“ war in Hamburg

Das Saisonheft für 2010/2011 steht bevor
20.04.2010
Zum Saisonabschluss gastiert der TSV Griedel bei der SU Nieder-Florstadt
22.04.2010

Der „Griedeler Block“ war in Hamburg

Ein „Muss“ für Griedeler Handballfans ist die alljährliche Fahrt des TSV Griedel zum „Final Four“, dem Pokalfinale der vier besten deutschen Handballmannschaften der jeweiligen Saison, nach Hamburg.

Zurückgelegt wurde die Strecke von Griedel nach Hamburg diesmal mit dem Fahrrad, allerdings nur von Klaus-Jörg Kopf (Hut ab, Klaus-Jörg!), am Anfang noch in Begleitung von Jürgen Weiß, aber „kurz vor Gambach auf der B 3 taten ihm die Füße weh und so verzichtete er denn „weise auf den letzten Teil der Reise“ (frei nach Joachim Ringelnatz zitiert). Andere sparten sich ihre Kräfte für „Hamburg by Night“ auf. Dazu Näheres später.

Im Laufe des Freitags, des 09.04. trudelten die 27 Griedeler (Ellen und Volker Thönges, Christine und Klaus-Jörg Kopf, Tine und Klaus Müller, Jasmin und Dirk Boller, Jutta und Jürgen Weiß, Kaycee Florusse und Dominic Schneider, Karin Reuther und Tobias Weyrauch, Stephan de Groote, Jasmin Scheffer, Ute Plutzas, Michaelangelo Lopez, Christopher Kopf, Daniel Müller, Sebastian Schmandt, Marcus Heller, Sebastian Tazelaar, Jan Leister, Uwe Horst, Viktoria Weiß und Julia Hofmann) nach und nach ein. Wie es sich für Hamburg, das Hoch im Norden“ gehört, empfing die Hansestadt die TSVler mir einer steifen Brise, manche Auflockerungen luden aber bereits – an windgeschützten Stellen – zum Verweilen in einem der unzähligen Straßencafés ein. Der für die Hamburger Innenstadt eigentümliche Baumix aus venezianisch anmutenden Arkaden, Passagen im Mailänder Stil, Kolonnaden á  la Bologna und reichlich Backsteingotik (aus dem Hamburger Stadtbild ist der typische rote Stein der Hanse nicht wegzudenken) bezauberte die Griedeler aufs Neue und wieder einmal stellten sie fest, dass es nicht zuletzt das Wasser ist, das den ganz eigentümlichen Reiz der Hamburger City ausmacht.

Beim Flanieren über den Jungfernstieg und durch das noble Hansaviertel warfen insbesondere die Damen unter den angereisten Griedelern sehnsuchtsvolle Blicke auf die Auslagen der zahlreichen Luxusläden und Edelboutiquen und überschlugen in Gedanken ihr Budget. Es reichte hinten und vorne nicht. Aber über Geld redet man in Hamburg bekanntlich nicht. Man hat es. Oder auch nicht. Fast immer sogar eher nicht. Die obligatorische Hafenrundfahrt in einer Barkasse ließ inmitten von Ozeanriesen Fernweh aufkommen, die Speicherstadt mit ihrem bizarren Bild von Türmchen, Giebeln, Wasserspeiern, Brücken, Kais und dunklen wuchtigen Backsteinmauern im neugotischen Stil weckte Erinnerungen an die Zeiten der Pfeffersäcke mit ihrem weltumspannenden Handel. Auch der Gruselklassiker „Nosferatu“ ist in diesem schaurig-schönen Ambiente gedreht worden. Heute machen sich dort mehr und mehr Werbeagenturen, Vernissagen, Kreative, Cocktail- und Sushibars breit und seitdem die Fassaden nachts angeleuchtet werden, ist „das dunkle Tier am Hafenrand“ endgültig wieder wachgeküsst worden.

Bei einem ausgedehnten Rundgang durch die neu entstandene Hafencity konnten sich die Griedeler auch einen Eindruck von den gewaltigen Fortschritten auf einer der größten Baustellen der Welt verschaffen, Europas aufwendigstem Stadtentwicklungsprojekt, durch das der Hamburger Innenstadtbereich auf einen Schlag um 40 Prozent seiner Fläche erweitert wird. Todschick, was die Hamburger da geradezu aus dem Nichts heraus aus dem Boden gestampft haben, aber offenbar auch nichts für schmale Geldbeutel. Ohne weiteres bezahlbar ist hingegen der Besuch eines der neuen Anziehungspunkte von Hamburg, des Internationalen Maritimen Museums in der Hafencity, in dem in einem riesigen früheren Speicher verteilt über neun Stockwerke mit jeweils fußballfeldgroßen Ausmaßen Schiffsmodelle aus allen Zeiten und allerhand sonstiges Wissens- und Sehenswerte aus der Geschichte der Schifffahrt liebevoll zusammengetragen wurden. Das sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen, wenn Sie mal wieder in Hamburg sein sollten. Unbedingt probiert haben sollten Sie aber auch das Hamburger Nationalgericht Labskaus, auch wenn sein äußeres Erscheinungsbild den einen oder anderen Griedeler an – nun ja – Auswurf erinnerte.

Bevor die Griedeler in das Nachtleben von St. Pauli eintauchten, gaben die Erwachsenen unter ihnen dem mitgereisten Jungvolk lauter lebenskluge und Erfahrungsgesättigte Ratschläge mit auf den Weg („auf k.o.-Tropfen im Getränk achten!“, „der Türsteher hat immer Recht!“, „Hamburger nie Fischköppe nennen!“, „beim Hütchenspielen ruhig mal was wagen!“, etc.). In den schummrigen Lokalitäten auf dem Kiez gewannen die Griedeler schnell neue Freunde, etwa „Penner-Paule“, „Messerstecher-Luigi“ oder „Inkasso-Dimitri“, die mit schnurrigen Anekdoten und Schwänken aus ihrem bewegten Berufsleben die Lacher auf ihre Seite zogen. Für die Jungs von der ersten Mannschaft wurde es dann noch eine sehr lange Nacht, galt es doch, am nächsten Morgen um fünf Uhr auf dem berühmten Fischmarkt präsent zu sein und eine gute Figur abzugeben. Alles blieb aber natürlich – wie von Griedeler Jungmännern auch nicht anders zu erwarten – absolut im Rahmen des Schicklichen. Die Pokal-Finishs am Wochenende sahen dann aber etliche sichtlich ermattete Griedeler mit dunklen Ringen um die Augen, was aber ihrer Stimmkraft und Sangesfreude keinen Abbruch tat.

Vier mitreißende Partien verfolgten die Griedeler, bis hin zum packenden Finale, das bis zuletzt auf der Kippe stand und in dem sich der HSV erst in der Verlängerung, quasi mit dem Schlusspfiff gegen die Rhein-Neckar Löwen durchsetzte. Dass sich am Ende zwei Teams gegenüberstanden, die von Mäzenen mit Millionen gepäppelt werden, war allerdings nicht so ganz nach dem Geschmack der für ihre vorbildliche Jugendarbeit bekannten Griedeler. Soviel Eigenlob muss sein!

Was sonst noch so alles in Hamburg geschah, geht Sie überhaupt nichts an und soll hier gnädig mit dem Schweigen des Mäntelchens bedeckt werden. Ich könnte Ihnen da Sachen erzählen! Am besten, Sie fahren das nächste Mal einfach mit. Griedeler sind auch ganz vorurteilsfreie Leute, einige ihrer besten Freunde sind Butzbacher. Dazu darf sich auch der Schreiber dieses Berichtes zählen. Der Dank aller Reiseteilnehmer gebührt wieder einmal dem lieben TSV Griedel für die Organisation einer unvergesslichen Reise.

Spielszene aus dem deutschen Pokalendspiel zwischen dem HSV Hamburg und den Rhein Neckar Löwen mit dem Ergebnis 34:33 (30:30, 15:15) nach Verlängerung. Ólafur Stefánsson (11), Slawomir Szmal (1), Nikola Manojlovic (9), Karol Bielecki (8) alle von den Rhein Neckar Löwen behaupten sich gegen die Angreifer Domagoj Duvnjak (4) und Bertrand Gille (14) vom HSV Hamburg.