
TSV Griedel unterlag verdient und enttäuschte die Zuschauer
25.01.2026Mainz. Wer an diesem Sonntag in der Halle am Judensand nur auf das Ergebnis blickte, verpasste die eigentliche Geschichte. Denn das 9:12 der U17 von Floorball Griedel gegen Floorball Mainz war mehr als eine gewöhnliche Niederlage – es war ein Spiel, das an Intensität, Emotionen und Grenzüberschreitungen kaum zu überbieten war.
Dabei begann die Partie aus Griedeler Sicht ordentlich. Früh übernahmen die Gäste das Kommando, kombinierten sich mit Tempo durch die Mainzer Defensive und setzten erste Nadelstiche. Doch Mainz hielt dagegen – körperlich, lautstark und zunehmend am Rande des Erlaubten. Was folgte, erinnerte phasenweise mehr an ein hitziges Eishockeyspiel als an ein Jugend-Floorballmatch: harte Bandenduelle, kurze Zündschnüre und eine Atmosphäre, die sich spürbar auflud.
Zum zentralen Reizthema der Begegnung wurde Mainzer Spieler Nummer 78. Gleich zweimal blieb sein unsportliches Verhalten ungeahndet – und das, obwohl die Aktionen in der gesamten Halle deutlich wahrnehmbar waren. Wutentbrannt drosch er seinen Schläger mit voller Wucht gegen die Bande, später stieß er beim Spielerwechsel einen zurücklaufenden Griedeler mit der Schulter in den Rücken. Die Pfeife der Schiedsrichter blieb stumm, die Stimmung hingegen kippte.
Sportlich nutzte Mainz die aufgeladene Phase besser. Nach einer furiosen ersten Hälfte lagen die Gastgeber mit 9:5 vorne, während Griedel zwar kämpfte, aber defensiv zu viele Räume anbot. In der zweiten Hälfte bewiesen die Gäste Moral, verkürzten mehrfach und hielten das Spiel offen. Doch immer dann, wenn der Anschluss greifbar war, fand Mainz eine Antwort.
Die Eskalation folgte schließlich abseits des eigentlichen Spiels. Als der Mainzer Trainer seinen aufgebrachten Spieler Nummer 78 vorzeitig zum Schutz des Teams in die Kabine schicken wollte, war der Abend für den Hitzkopf noch nicht beendet. Ein kurzes Wortgefecht mit einem Griedeler Fan, gefolgt von der unmissverständlichen Andeutung, den Schläger mit voller Wucht in Richtung Haupttribüne zu schleudern, ließ dem Schiedsrichtergespann keine Wahl mehr: Matchstrafe. Eine Strafe, die viele Beobachter deutlich früher erwartet hatten.
Am Ende blieb Griedel trotz großem Einsatz ohne Punkte, zeigte aber gerade in der hitzigen Schlussphase Charakter und Zusammenhalt. Bereits zuvor hatte das Team mit einem 16:9 gegen die Frankfurt Falcons überzeugt – auch wenn dort erneut die Anfangsminuten verschlafen wurden.
Tabellarisch bleibt die Lage dennoch komfortabel. In der efloorball.de-Hessenliga U17 KF führt Floorball Griedel weiterhin mit 21 Punkten und deutlichem Torverhältnis. Bei noch ausstehenden Spieltagen ist Platz eins aus eigener Kraft möglich – vorausgesetzt, die Mannschaft schafft es, ihre spielerische Qualität von der ersten Minute an auf das Feld zu bringen und sich in hitzigen Phasen nicht vom eigenen Weg abbringen zu lassen.
Griedels Headcoach fand nach dem Abpfiff deutliche Worte – sachlich, aber unmissverständlich: „Mainz wollte es heute einfach mehr. Sie waren gieriger, einen Tick entschlossener in den entscheidenden Momenten.“ Gerade darin lag aus seiner Sicht der Unterschied. Immer dann, wenn Griedel das Spieltempo hochzog, den Ball schnell laufen ließ und die Räume konsequent nutzte, kam die Mannschaft zu ihren Erfolgen. „Aber wir waren zu oft einen Schritt zu langsam. Der Pass auf den freistehenden Mitspieler kam mehrfach zu spät – und auf diesem Niveau wird das sofort bestraft.“
Besonders kritisch bewertete der Coach das Defensivverhalten im Zentrum. „Wir haben in zu vielen Situationen den Rückraum nicht sauber im Blick gehabt. Der finale Pass der Mainzer ist zu oft durch unseren Slot gekommen – genau dort, wo wir kompakt stehen müssen.“ Mainz habe diese Schwächen clever erkannt und konsequent ausgespielt.
Die Konsequenzen daraus sind klar umrissen. „Das sind genau die Punkte, die wir jetzt intensiv trainieren müssen.“ Bereits unmittelbar nach dem Spiel gab der Trainer seiner Mannschaft Hausaufgaben mit auf den Weg: Jeder Spieler soll eine individuelle Videoanalyse durchführen und die genannten Szenen gezielt aufarbeiten. „Nur wenn jeder für sich Verantwortung übernimmt, können wir als Team den nächsten Schritt machen.“
Mit Blick auf die anstehende Qualifikationsphase machte der Headcoach deutlich, dass trotz Tabellenführung kein Raum für Selbstzufriedenheit besteht: „Bis zur Qualifikation werden es noch intensive Wochen für die Mannschaft werden müssen.“ Der Spieltag in Mainz habe gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Dominanz und Verwundbarkeit ist – und wie entscheidend Details sind, wenn Tempo, Emotionen und körperliche Präsenz aufeinandertreffen.
Für den TSV im Einsatz: Im Tor Ruben Wagner sowie Yorrick Rau (8 Tore, 5 Vorlagen, 2 Strafzeiten), Jonas Halbe (3, 6, 0), Jaxon Richter (5, 3, 0), Luca Rößler (4, 2, 0), Maximilian Fritschle (2, 0, 0), Noah Hörschelmann (1, 0, 0), Tim Nern (0, 1, 0), Julian Bohne (0, 1, 0), Vincent Montagna (0, 0, 0).

