Tschechisch-deutsche Jugendbegegnung in Griedel

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Tschechisch-deutsche Jugendbegegnung in Griedel

Alte Freunde durfte der TSV Griedel wieder einmal begrüßen. 24 Jugendliche und ihre Betreuer von dem tschechischen Partnerverein des TSV Griedel, dem SKP Frýdek-Místek, waren in der Woche vom 15. bis 22.08.09 in Griedel zu Besuch. Nicht jedem Leser werden Frýdek-Místek und sein Handballverein ein Begriff sein. Daher sei der tschechische Partnerverein des TSV Griedel an dieser Stelle noch einmal kurz vorgestellt. Frýdek-Místek, eine ebenso geschichtsträchtige wie aufstrebende 70.000-Einwohner-Stadt in Mähren, liegt unweit der Grenze zu Polen und der Slowakei am Fuße der malerischen Beskiden, eines Ausläufers der Karpaten. Durch die Stadt schlängelt sich die Ostrau und sie strahlt mit ihren verwinkelten Gassen, Barockkirchen mit Zwiebeltürmen, hochherrschaftlichen Patrizierhäusern und Wiener Gafés reichlich k.u.k.-Charme aus. Manchmal fühlt man sich dort in die Zeiten des guten alten Kaisers Franz (nein, nicht dem vom FC Bayern!) zurückversetzt. Und Sie können mittlerweile jeden TSVler fragen, welches das beste Bier der Welt ist, er wird Ihnen, ohne zu zögern, neben „Licher“ „Radegast“ aus Frýdek-Místek nennen. Die Stadt beheimatet aber auch einen der besten tschechischen Handballvereine, den SKP (den Polizeisportverein) Frýdek-Místek, dessen Partner zu sein der TSV Griedel sich rühmen darf. Der SKP war 2003 tschechischer Handball-Meister, er bestückt die tschechische Nationalmannschaft und hat schon einige Male europäische Wettbewerbe aufgemischt.

Auf diesem Niveau ist der TSV Griedel noch nicht angelangt (wird wohl noch ein paar Jahre dauern) und daher reisten im Jahre 2001 drei Vertreter des TSV Griedel mehr aus Neugierde an, als die Stadt Frýdek-Místek im Mittelhessischen Wetzlar einen Informationsabend veranstaltete und auf Partnersuche unter allen hessischen Vereinen ging. Doch, siehe da, unsere drei wackeren Griedeler waren die Einzigen, die der Einladung gefolgt waren, und dies war, um Humphrey Bogart aus dem Filmklassiker „Casablanca“ zu zitieren, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Seitdem verging kein einziges Jahr ohne Besuche und Gegenbesuche, tiefe Freundschaften wurden begründet und gemeinsame Urlaube verbracht und, wer weiß, vielleicht gibt es ja auch eines Tages die erste Frýdek-Místek-Griedeler Hochzeit zu feiern. Wäre schön.

Am Abend des 15.08. trafen die Tschechen nach zehnstündiger Busfahrt ermattet in Griedel ein und wurden sogleich auf ihre Gastfamilien verteilt, denen der TSV Griedel an dieser Stelle seinen tief empfundenen Dank aussprechen möchte. Ohne Euch, liebe Gastfamilien auf beiden Seiten der Grenze, wäre das zarte Pflänzchen Freundschaft in den vergangenen Jahren nicht so prächtig gediehen und zu einem großen Baum gewachsen. Bei herrlichem Sommerwetter wurde am Abend gegrillt und am Sonntag trafen sich die tschechischen und deutschen Jugendlichen zum Handball spielen. Anschließend wurde das Butzbacher Schwimmbad besucht und die Gruppe wanderte zum Forsthaus nach Butzbach zum Abendessen.

Am Montag begrüßte Stadtrat Hümmer die tschechischen Freunde auf das Liebenswürdigste bei einem Empfang der Stadt Butzbach. Sein, dem Umstand, dass es sich bei der SKP um einen Polizeisportverein handelt, geschuldetes Missverständnis, es mit lauter jungen Polizeianwärtern zu tun zu haben, konnte rasch ausgeräumt werden und die Ansprache fiel danach weit weniger zackig aus. Wieder einmal hatte der TSV Griedel ein umfangreiches Besuchs-, Kultur- und Freizeitprogramm ausgetüftelt. Das prächtige Wetterchen lud gleich zu mehreren Besuchen im Butzbacher Schrenzerbad ein. Einen Dank an die EVB und ihren Geschäftsführer Michael Weiß, der für die tschechischen Jugendlichen Freikarten zur Verfügung stellte. Bei der schon zur lieb gewonnenen Tradition gewordenen Kanufahrt auf der Lahn kippten wie immer wieder einige Boote um und verhalfen ihren Insassen zu einem erfrischenden Bad in der Lahn. Ob dies an der Leibesfülle des einen oder anderen Griedeler Betreuers lag (auch manche tschechische Jungs konnten da durchaus gegenhalten, es sind halt Handballer), sei an dieser Stelle dahingestellt.

Bei einem Besuch des Wiesbadener Landtags nahm sich dessen Präsident Norbert Kartmann (der aus Sicht der Griedeler nur den einzigen Nachteil hat, aus Nieder-Weisel und nicht aus Griedel zu kommen) trotz seiner vielfältigen anderweitigen Verpflichtungen die Zeit, bei Kaffee und Kuchen, zu einem eingehenden Gespräch mit den Gästen aus Tschechien. Er betonte dabei die hohe Bedeutung des Jugendaustauschs für die Völkerverständigung und erklärte das föderale System der Bundesrepublik Deutschland. In einem sehr angenehmen Gespräch beantwortete der Landtagspräsident geduldig alle Fragen der deutschen und tschechischen Jugendlichen. Die Verantwortlichen des TSV Griedel bedankten sich auch bei Herrn Kartmann für die Einladung zur Besichtigungstour auf dem Frankfurter Flughafen.

Wie das Handball-Spiel zwischen den tschechischen und den Griedeler Jungs ausging, sei an dieser Stelle schamhaft verschwiegen. Wir sagten ja bereits eingangs, dass der TSV Griedel erst auf dem Weg ist, eine europäische Spitzenmannschaft zu werden. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem auch der TSV Griedel einmal mit 38 zu 22 gewinnt. Zur Sache ging es dann in der Licher Privatbrauerei. Schließlich hatten die Tschechen einen Titel zu verteidigen: der Weltmeister im Pro-Kopf-Verbrauch von Bier zu sein. Der Weltmeister gegen den Vize-Weltmeister, das versprach spannend zu werden und tatsächlich schenkte man sich bis zuletzt nichts oder nur gegenseitig ein. Natürlich achteten dabei aber die sittenstrengen Betreuer darauf, dass die Jungs nicht über die Stränge schlugen. „Um 22.00 Uhr hängt die Hose kalt am Bett“, wie der rührend um das Wohl seiner Gäste bemühte Betreuer Stephan de Groote stets zu sagen pflegte.

Nachdem die tschechischen Jugendlichen ihre deutschen Freunde bei der Anreise beschenkt hatten, überreichte der TSV Griedel bei der Abschlussfeier am Freitagabend allen Teilnehmern des deutsch-tschechischen Jugendaustausches ein T-Shirt zur Erinnerung an die Jugendbegegnung 2009 in Griedel. Man versprach, sich wieder zu besuchen, und zwar nicht erst, wie der brave Soldat Schwejk immer so hübsch zu sagen pflegte, um halb sieben nach dem Krieg in der Friedenslinde. Schon im nächsten Jahr wird sich der TSV Griedel wieder mit großem Tross nach Frýdek-Místek aufmachen, um Wiedersehen zu feiern. Selbstkritisch müssen die Griedeler allerdings anmerken, dass es mit ihren tschechischen Sprachkenntnissen noch immer nicht weit her ist. Außer „Pivo“, „Dubcek“, „Spejbl“, „Hurvinek“ und „Hlawiczka“ lief da leider nicht viel. Aber Griedeler Jungs wissen jetzt wenigstens, dass „Freund“ auf tschechisch „pritel“ heißt. Alle namentlich zu nennen, die sich um den Jugendaustausch mit Tschechien verdient gemacht haben, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Man sehe es dem Schreiber dieser Zeilen daher nach, wenn er sich abschließend auf einen innigen Gruß an die charmante Zlatka, ohne deren perfekte Deutschkenntnisse wir wieder einmal aufgeschmissen gewesen wären, ihren sympathischen Ehemann Martin und den stets gut gelaunten, dem Handballsport und kulinarischen Genüssen zugetanen Kejno (Jürgen Weiß kongeniales Pendant in Tschechien) beschränkt. Dobre pozdravy, cesky pratele!