Historie

Teil 1: 1899 – 1940 (von Klaus-Jürgen Wetz)

Die Ursprünge des Turnens in Deutschland im 19. Jh.

In der Geschichte des Turnens in Deutschland wird Hessen nicht zu Unrecht als ein altes Turnerland bezeichnet. Speziell der Butzbacher Raum darf für sich in Anspruch nehmen, eine der Wiegen des Turnens in Hessen zu sein. War es doch der Butzbacher Pfarrer und Lehrer Friedrich Ludwig Weidig, der 1814 auf dem stadtnahen Schrenzer den ersten Turnplatz im damaligen Großherzogtum Hessen einrichtete. Vermutlich wurde Weidig dazu inspiriert, als er mit großer Wahrscheinlichkeit zu Beginn des Jahres 1814 den als Turnvater geltenden Friedrich Ludwig Jahn während dessen Reise nach Frankfurt traf. Jahn hatte drei Jahre zuvor den ersten Turnplatz in deutschen Landen überhaupt in der Berliner Hasenheide eröffnet. Körperliche Betätigung im Rahmen von nationaler Erziehung, die Herausbildung eines wehrhaften Volkes, das in die Lage versetzt werden sollte, die französische Fremdherrschaft abzuschütteln und auf politische Freiheit und die Einheit der Nation hinzuarbeiten das waren u.a. Jahns Ziele dabei.

Aber das Aufblühen der Turnbewegung war zunächst von kurzer Dauer. Die konservativreaktionären und monarchisch gesinnten Kräfte, nach dem Wiener Kongress 1814/15 ohnehin in ganz Europa wieder auf dem Vormarsch, sahen in den zweifellos vorhandenen liberalen und demokratischen Bestrebungen der Turner eine Gefahr. So wurde durch die sog. Karlsbader Beschlüsse von 1819 das Turnen verboten, die Turnplätze geschlossen und Turner nicht selten verfolgt und inhaftiert. Allerdings konnte der einmal in Gang gekommene Prozess turnerischer Entfaltung durch derartige restriktive Maßnahmen zwar eingeschränkt, aber nicht mehr aufgehalten werden. So war es eine fast logische Konsequenz, dass im Sog der liberalen Bewegung im Vorfeld der Revolution von 1848/49 die Turnsperre 1842 wieder aufgehoben wurde. Daraufhin entstanden auch in zahlreichen hessischen Städten wie Hanau, Offenbach, Gießen (MTV 1846) oder Butzbach (TSV 1846) Turnvereine.

In der Folgezeit hat das Turnen immer größere Verbreitung gefunden. Die nationale Begeisterung im Zuge der Reichsgründungen von 1871 gab der Turnbewegung noch einen zusätzlichen Schub, mit der Deutschen Turnerschaft war jetzt sogar bereits ein Dachverband der Turnvereine entstanden.

War die Gründung von Turnvereinen bis dahin in erster Linie den Städten vorbehalten, so regte sich nun zum Ausgang des 19. Jahrhunderts auch in den Landgemeinden turnerisches Leben und führte zwangsläuig zu Vereinsgründungen.

Die Anfänge des Turnens in Griedel

Aus den dargelegten Gründen war es denn auch kein Zufall, dass sich im Sommer des Jahres 1899 auch in Griedel eine Gruppe von jungen Männern zusammenfand, um sich zunächst ganz zwanglos und mit bescheidenen Geräten ausgestattet (ein selbst gezimmertes Reck!) in einem Garten turnerisch zu betätigen. Aus diesen eher informellen Anfängen entwickelte sich jedoch bei der offenbar recht schnell wachsenden Gruppe eine derartige Begeisterung, dass schon bald der Wunsch nach einem festen Organisationsgrad der Tunsache in Griedel laut wurde. Schließlich trafen sich bereits am 15. Juli 1899 die Turninteressierten im Gasthaus „Zur Friedenslinde“ und gründeten den Turnverein „Frischauf“ Griedel.

Die Gründer waren:

Konrad Knoll, Karl Wetz, Wilhelm Dörr, Wilhelm Lang, Wilhelm Wetz, Wilhelm Kopf, Karl Gilbert, Friedrich Müller, Heinrich Jakob Fenchel, Konrad Herm. Strasheim, Friedrich Sauer, Karl Renner, H. W. Müller, Ernst Müller, Wilhelm Sauer, Paul Wagner, Heinrich W. Fenchel, Heinrich Bopp, Heinrich Zeiß, W. H. Müller, Julius K. Strasheim, Georg Wilhelm Vissel, Friedrich Strasheim, Wilhelm Konrad Hafer, Friedrich Kimmes, Karl Bender und Wilhem Grieb III

Aus diesen Männern rekrutierte sich ein 8-köpfiger Vorstand, an dessen Spitze Georg Wilhelm Vissel berufen wurde. In den Vereinsstatuten werden als wesentlichste Ziele „körperliche Ertüchtigung und Pflege vaterländischen Sinnens und Gesanges“ genannt. Diese Formulierungen dürfen geradezu als stereotyp gebrauchte Wendungen bei Turniervereinsgründungen in der damaligen Zeit angesehen werden. Darin spiegelt sich einerseits die Anbindung an die nationalen Ideale des Jahnschen Turnens zu Beginn des Jahrhunderts, andererseits aber auch der Wille, einen Beitrag zur Stabilisierung und Entwicklung des noch relativ jungen deutschen Nationalstaates zu leisten.

Die Protokolle über die ersten Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen dokumentieren eine recht unstete Anfangsphase des Vereins. So kommt es beispielsweise sehr häufig zu Wechseln in den Vorstandsämtern, nicht selten scheinen Streitigkeiten über formale Fragen dafür verantwortlich gewesen zu sein. Selbst die Aufnahme in den Verein war ganz offensichtlich kein Routineakt, sondern von bestimmten, wenn auch nicht näher definierten, Kriterien abhängig. Auf jeden Fall wird fas regelmäßig im Protokoll von Abstimmungen im Verstand berichtet, die die „Aufnahme von Turner“ zum Gegenstand hatten und die für die Betroffenen bisweilen negativ ausfielen. Man darf vermuten, dass hier subjektive ethnischmoralische Maßstäbe angelegt wurden, die der immer wieder beschworenen „edlen Sache des Turnens“ gerecht werden sollten.

Ein weiteres Problem dieser ersten Jahre war eine für den personell noch kleinen Verein nicht unbedeutende Mitgliederfluktuation bei den aktiven Turnern, hervorgerufen vor allem durch den Einzug zum Militärdienst. Vor diesem Hindergrund wird auch ein „nach unseren heutigen Vorstellungen außerordentlich rigider“ Vorstandsbeschluss vom 11. Januar 1900 verständlich, der besagte, dass alle vorübergehend wegen Militärdienst aus dem Verein ausgeschiedenen Turner nach ihrer Wiederkehr „sofort wieder in den Verein eintreten müssen“.

Schwierigkeiten ergaben sich darüber hinaus anfangs auch aus der bescheidenen finanziellen Ausstattung des Vereins. So ermöglichte erst eine Anleihe von 120,– Mark bei der Spar- und Leihkasse „gegen solidarische Sicherzeit und 4 % Zinsen“ die Anschaffung von Turngeräten. Eine erste Maßnahme in dieser Richtung war im Frühjahr 1900 der Kauf des „alten Pferdes“ des Butzbacher Turnvereins für 30,– Mark. Überhaupt gilt es in diesem Zusammenhang zu bemerken, dass dem jungen Griedeler Verein von den schon erfahrenen Butzbacher Turnern in organisatorischer Hinsicht rührige Unterstützung zuteil wurde. Nicht zuletzt gelang es bereits im Februar 1900 den ebenfalls aus den Reihen des Butzbacher Vereins stammenden Turnlehrer Martin Fisch zu engagieren, der offenbar für einen Aufschwung im Griedeler Turnbetrieb sorgte. Sein Honorar betrug übrigens 1,– Mark pro Übungsstunde.

Zu kämpfen hatten die Turner in Griedel in ihrer Frühphase aber nicht nur mit internen Problemen, sondern auch mit Vorurteilen aus den Reihen der örtlichen Bevölkerung. Als Beleg hierfür sei eine Passage aus der Rede des Vorsitzenden Vissel anlässlich des „Zweiten Stiftungsfestes“ am 14. Juli 1900 angeführt, in der es heißt: ..sich nicht von den Gegnern des Vereins, an denen es auch nicht fehlt, beirren zu lassen. Noch deutlicher äußerte sich dazu der Chronist in der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Vereins 1949: Leider fanden die Bestrebungen der Turnerei bei vielen Einwohnern kein Verständnis. Ja, spöttische Bemerkungen und abfällige Kritiken in Bezug auf Bestehen und Lebensdauer des jungen Vereins waren an der Tagesordnung. Die Gründe für derartiges Verhalten sind wahrscheinlich sowohl in mangelnder Aufgeschlossenheit gegenüber dem „Neuen“ zu suchen (Turnen wurde als nutzlose und überflüssige Anstrengung abqualifiziert), als auch in Konkurrenzbefürchtungen seitens der bereits länger existierenden Ortsvereine (Gesangsverein, Freiwillige Feuerwehr).

Demgegenüber erwähnt das Protokoll aber auch Männer, die den Verein bereits in dieser schwierigen Anfangsphase in großzügiger Weise unterstützten, die den jungen Turnern bei der Beschaffung von Geräten halfen, die Gelände für einen Turnplatz zur Verfügung stellten. Namen wie der damalige Bürgermeister Fenchel, Schreinermeister Zeiß und der Vereinswirt Konrad Ludwig Strasheim, werden hier genannt.

Die Konsolidierungsphase des Vereins

Dem Verein gelang es dann aber doch zunehmend, an Ansehen zu gewinnen und einen akzeptierten Platz im dörflichen Leben einzunehmen. Dazu trug sicherlich bei, dass die Turner mit großer Konsequenz ihre Übungsstunden abhielten, dass sie daneben aber auch schon durch die Teilnahme and Gauturnfesten in der näheren Umgebung auf sich aufmerksam machten. Grünberg, Nidda, Butzbach, der Dünsberg, Bad Nauheim und Lich waren u.a. Ziele in den Jahren bis 1907.

Noch bedeutender für den Prestigegewinn des Vereins dürften allerdings die turnerischen und geselligen Veranstaltungen gewesen sein die man in Griedel selbst organisierte und die sich schnell institutionalisierten. So fand bereist am 11. Februar 1900 die erste „Abendunterhaltung“ des Vereins im Saale Wilhelm Wetz statt. Das Programm bestand aus Turnvorführungen, kleinen Theaterstücken und Tanz. Zu einer weiteren festen Einrichtung wurde ab 1902 eine Ballveranstaltung am 2. Weihnachtsfeiertag.

Zum Höhepunkt des Vereinslebens aber entwickelte sich das Vereinsabturnen, das schon seit 1900 jedes Jahr im Spätsommer durchgeführt wurde. Hier zeigt sich auch manche jener Rituale, die für die Turnbewegung des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts typisch waren. Das Vereinsabturnen nahm seinen Anfang grundsätzlich mit einer „kernigen Rede“ (Protokoll) des jeweiligen Vorsitzenden. Zitiert sei an dieser Stelle exemplarisch aus der Rede des Vorsitzenden Vissel anlässlich des Abturnens 1906: Er erinnerte daran, das alle Völker, die jemals auf hoher Zivilisation gestanden, auch neben ihrer geistigen Ausbildung diejenige des Körpers pflegten. Er ermahnte alle, treu zur Sache zu hatten und feuerte die jungen Turner an, fleißig weiter zu turnen, denn die edle Kunst sei deutsche Turnerei, die jeder Jüngling treulich sollte übern. Sie stählt die Brust, das deutsche Herz schlägt fei in ihm fürs Vaterland.

Diese Passage geht schon über rein patriotische Gedankengänge hinaus, sie deutet vielmehr bereits nationalistische Züge an, wie sie der wilhelminischen Zeit eigen waren und in der „Deutschen Turnerschaft“ ein willkommenes Forum fanden.

Als weiteres rituelles Element des Vereinsabturnens kam ab 1909 der Marsch durchs Dorf zum Turnplatz hinzu, der von einer Kapelle begleitet wurde. Diese musikalische Begleitung war möglich geworden, weil der Verein 1908 ein sog. „Pfeifer- und Trommlerkorps“ aufgestellt hatte.

Das eigentliche Turnen fand in zwei Kategorien statt: zum einen die reinen Turnübungen am Reck, am Barren und am Pferd, zum anderen die – bereits von Jahn so bezeichneten – „volkstämlichen Übungen“; dazu zählten Freihochsprung, Freiweitsprung, Stemmen, Steinstoßen, Wettlauf und später auch Dreisprung – Disziplinen also, die heute weitgehend zur Leichtathletik zählen.

Den Abschluss eines jeden Vereinsabturnens bildete die, aus unserer heutigen Perspektive mit reichlich Pathos ausgestattete, Siegerehrung. Das Protokoll verzeichnet auch hier wiederum Reden von nationaler Gesinnung, flammende Begeisterung für die Sieger und geradezu beschwörende Appelle an diejenigen, die keine Preise errungen hatten, noch fleißiger zu übern.

Die Schwierigkeiten der ersten Jahre wurden zunehmend überwunden, die Zahl der Mitglieder wuchs kontinuierlich, und auch Männer, die anfänglich dem Verein – bzw. der Turnsache – ablehnend gegenübergestanden hatten, fanden nun den Weg zu ihm.

Auch die sportlichen Erfolge blieben nicht aus. Musterriegen des Vereins kehrten von den schon erwähnten Gauturnfesten mit beachtlichen Erfolgen zurück. Ein besonderes Erlebnis für die Griedeler Turner brachte in dieser Hinsicht das Jahr 1908, als eine Barren-Musterriege am XI. Deutschen Turnfest in Frankfurt am Main teilnehmen konnte. Dazu vermerkt das Protokoll: „Stolz als Sieger und stark beeindruckt von der Größe und Mächtigkeit der Deutschen Turnerschaft kehrten die Wettkämpfer montags abends nach Hause zurück und wurden am Bahnhof Butzbach von den Mitgliedern gebührend empfangen“.

Das erste Jubiläumsfest

Fehlte es noch eines letzten Beweises, dass der von wenigen Idealisten aufgebaute Verein nun aus dem kulturellen und sportlichen Leben der Gemeine Griedel nicht mehr wegzudenken war, so wurde dieser anhand der Feiern zum 15jährigen Jubiläum vom 13. – 15. Juni 1914 erbracht. Drei Tage lang stand das Dorf ganz im Zeichen des Turnens und bot dabei auch den Rahmen für das 4. Bezirksturnfest, zu dem 211 Turner aus 21 vereinen nach Griedel kamen. Festzug, Musik und Tanz im Festzelt, Turnwettkämpfe und Frühschoppen bildeten die Programmpunkte des Festes. Die Dorfbevölkerung stiftete – auch das wiederum ein Indiz für den inzwischen gewonnenen Stellenwert des Vereins – die lang ersehnte Vereinsfahne (Anschaffungsbetrag 360,- Mark), die von Pfarrer Egelhoff am Festsonntag geweiht wurde.

Anlässlich dieses Jubiläumsfestes kam auch Frauen ganz offensichtlich erstmals eine Bedeutung im Vereinsgeschehen zu. Sie durften sich als Fahnenbraut, als Fahnenbegleiterinnen oder als Reigen-Tänzerinnen betätigen.

Das Turnen selbst – und da bildete der Turnverein Griedel keine Ausnahmen – aber war im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert fast ausschließlich eine Männerdomäne. Immerhin wurde jedoch im Rahmen des Jubiläums eine Frau zum ersten Ehrenmitglied des Vereins ernannt, nämlich Frau Konrad Haub Wwe., die den Verein seit seiner Gründung finanziell unterstützt hatte. (Die Art der Namensnennung im Protokoll – Name des Mannes mit dem Zusatz Wwe. – wirft im Übrigen ein sehr bezeichnendes Licht auf die damalige allgemein-gesellschaftliche Position der Frauen).

Erst 1922 beginnt dann auch im Turnverein Griedel ein frauenemanzipatorischer Prozess: auf Initiative von Turnwart Otto Kraul wird eine Damenriege ins Leben gerufen, die sich auch sogleich beim Abturnen mit gymnastischen Übungen und Vorführungen am Pferd beteiligte. Damit war ein langjähriges Tabu gebrochen. Dieser ersten Damenriege gehörten an: Mathilde Kopf, Paula Müller, Elfriede Schott, Alwine Strasheim und Auguste Streb.

Die Schatten des Ersten Weltkrieges

Das Jubiläumsfest vom Juni 1914 sollte für einige Jahre ein letzter Ausdruck turnerischen Frohsinns gewesen sein. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges rund acht Wochen später zwang auch viele Griedeler Turner vom Turnplatz auf das Schlachtfeld. Das, was man Anfang >Mai bei einer Geländeübung der Turnvereine des 5. Bezirks des Gaues Hessen unter Leitung von Hauptmann Dihm vom Butzbacher Bataillon mit 560 Teilnehmern (!) bei Oppershofen noch geprobt hatte, war jetzt ernste Realität geworden. Im Vereinsprotokoll findet sich zum Kriegsausbruch folgender Eintag: „Wir treten jetzt einer schweren und traurigen Zeit entgegen, es folgt nämlich der heilige Krieg zwischen unserem lieben deutschen Vaterlande und dem tückischen und hinterlistigen Russland, Frankreich, England usw. Unser deutscher Kaiser war nun gezwungen, die Mobilmachung anzuordnen“. Diese Sätze geben sehr anschaulich die von der politischen und militärischen Führung des Reiches propagandistisch beeinflusste nationalistische Stimmung in Deutschland im August 1914 wieder. Die historische Forschung wird Jahrzehnte später zu einem etwas anderen Urteil über die Verantwortlichkeit für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges kommen; ein Urteil, das dem Deutschen Reich dann nicht mehr unbedingt schmeichelt. Die Begeisterung, mit der viele junge Männer aufgrund erzieherischer Ideale 1914 in den Krieg gezogen waren, wich schnell traumatischer Ernüchterung. Der Erste Weltkrieg erwies sich nämlich recht bald als eine Personen- und Materialschlacht, wie sie die Geschichte in diesem Ausmaß noch nicht gekannt hatte.

Dreißig aktive Griedeler Turner mussten ihr Leben bei den Kämpfen lassen, viele andere kehrten als Kriegsversehrte zurück. Ganze Jahrgänge wurden fast ausgelöscht. Zu Ehren der gefallenen Vereinsmitglieder hat der Verein im April 1922 eine Gedenktafel gestiftet.

Die zwanziger Jahre

Nach über vier Jahren, in denen das Vereinsleben völlig zum Erliegen gekommen war, fand am 11. Januar 1919 mit einer Generalversammlung wieder die erste Aktivität nach dem Kriege statt.

Es entwickelte sich fortan relativ schnell ein äußerst regen Engagement innerhalb der Griedeler Turnerfamilie. Zahlreiche Turnfestbesuche, Turngänge bzw. Turnwanderungen in die nähere Umgebung, sowie eine ganze Reiche von geselligen Veranstaltungen zu Beginn dieser Dekade dokumentieren das nun offensichtlich stark vorhandene Bedürfnis der Menschen nach Zerstreuung im Anschluss an die entbehrungsreichen Kriegsjahre. Bestes Beispiel dafür ist ein Hinweis im Protokoll über eine Abendunterhaltung des Vereins im Februar 1920, bei der „der Saal derart überfüllt war, dass viele Besucher wieder umkehren mussten“.

Neben diesem raschen Wideraufschwung spiegeln sich bisweilen aber auch die unruhigen politischen und wirtschaftlichen „Kinderjahre“ der Weimarer Republik in einem kleinen Verein, wie dem Turnverein „Frischauf“ Griedel, wider. Die Anschaffung eines Barrens 1923, dem Jahr der Hochinflation, macht dies deutlich. Zur Finanzierung gewährten einige Vorstandsmitglieder dem Verein Kredite in Höhe von 510.000,- Mark, zusätzlich wurde beim Familienabend an Ostern eine Sammlung unter den Mitgliedern durchgeführt, die 650.200,– Mark erbrachte. Aufgrund der rasenden Geldentwertung wurden auch die Mitgliedsbeiträge in diesem Jahr immer nur für zwei Monate festgelegt. Für die Monate Mai und Juni mussten aktive Turner beispielsweise jeweils 5.000,– Mark bezahlen!

Das 25-jährige Vereinsjubiläum 1924 eierte man – wahrscheinlich nicht zuletzt wegen der Folgen der gerade überstandenen Inflation – in relativ bescheidenem Rahmen. Einem Festabend am 26. Juni mit Reden, Gesang und Schauturnen folgte einen Tag später ein kleiner Festzug durch das Dorf und anschließend ein auf die Vereinsmitglieder beschränktes Wett-Turnen.

Recht interessant ist auch, dass der Vorstand anlässlich dieses Festes einen – tatsächlich so bezeichneten „Amnestie-Erlass für ausgestoßene Mitglieder“ verkündete. Profitieren davon konnte fraglos eine ganze Reihe von Turnern, denn die „Turnsitten“ waren damals hart, und schon das wiederholte Versäumen von Übungsstunden hatte nicht selten den Vereinsausschluss zur Folge.

Insgesamt betrachtet dürfen die zwanziger Jahre durchaus als eine Phase der turnerischen Blüte in Griedel bezeichnet werden. Dies belegen nicht nur die beachtlichen Teilnehmergruppen, die regelmäßig zu den verschiedensten Turnfesten reisten, sondern auch die dort erreichten Platzierungen. Alle aufzulisten, würde den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen, aber Namen, wie Eugen Dietz, Wilhelm Dietz, Heinrich Bender, Arthur Bär, Ludwig Müller oder der seinerzeit sichtlich beste Griedeler Turner, Hermann Dreut, tauchen immer wieder in den Siegerlisten auf.

Die Ära des Rasensports beginnt

Das Ende der zwanziger Jahre brachte auch in den ländlichen Turnvereinen einen Wandel in der sportlichen Betätigung. Nachdem bereits um die Jahrhundertwende das Fußballspiel von England nach Deutschland herübergekommen war und sich inzwischen eine zweite Rasensportart – das deutsche Handballspiel – als Freiluftspiel etabliert hatte, gab es auch in den Turnvereinen genug Freunde, die zum Rasensport drängten. Wenn auch in Griedel ein Großteil der Turner noch intensiv dem Geräteturnen bzw. dem „volkstümlichen Turnen“ (Leichtathletik) verbunden war, so konnte doch die Entwicklung hin zum Rasensport nicht mehr aufgehalten werden und führte 1929 zur Gründung einer Handballabteilung im Turnverein Griedel. Das Jahr 1929 ist also die Geburtsstunde des Griedeler Handballs.

Wenig später wurde in Griedel ein Fußballverein gegründet, der im Januar 1931 als Abteilung in den Turnverein aufgenommen wurde. Aber schon nach wenigen Wochen kam es zu Reibereien zwischen Turnern und Fußballern (Notiz in einem Versammlungsprotokoll vom 24.2.1931: „Die Fußballspieler werden darauf hingewiesen, dass auch sie die Turnstunden nach wie vor regelmäßig zu besuchen haben!“, und auf der Generalversammlung im Februar 1932 wurde mehrheitlich beschlossen, sich wieder von der Fußballabteilung zu trennen. Dem Fußballsport war also nur eine ausgesprochen kurze Episode innerhalb des Turnvereins Griedel beschieden, als eigener Verein existierten die Fußballer aber zunächst noch einige Jahre weiter.

Eine weitaus erfolgreichere Entwicklung sollte – wie wir heute wissen – die Handballabteilung nehmen. Danach sah es allerdings anfangs nicht unbedingt aus. Die Handballer hatten innerhalb des eigenen Vereins nicht unerhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Da galt es zum einen, die Befürchtungen der Turner zu zerstreuen, die an ein Nachlassen des Turnstundenbesuchs aufgrund der neuen Konkurrenz glaubten. (Zwar bestätigten sich –  wie noch zu berichten sein wird – diese Vermutungen wenige Jahre später auch, doch vorerst turnten die Handballspieler weiter und widmeten sich ihrer neuen Sportart nebenher). Zum anderen gab es innerhalb der – wie bereits erwähnt – nationalistisch befrachteten Deutschen Turnerschaft grundsätzliche Aversionen gegen jegliche Formen des Spiels, da die Spielbewegung ihren Ursprung nicht in Deutschland hatte und man sie als einen Fremdkörper im deutschen Volkstum ansah. Selbst das in Deutschland erfundene Handballspiel wurde da pauschal in den Reigen der Vorurteile miteinbezogen.

Vielleicht hat diese Polarisierung zwischen Turnen und Spiel auch mit dazu beigetragen, dass im Protokollbuch des Turnvereins Griedel keine Niederschriften über die ersten Jahre des Griedeler Handballsports gemacht worden sind. Vielmehr musste die Handballabteilung ein eigenes Protokollbuch führen, das aber leider heute nicht mehr zur Verfügung steht, so dass viele Details aus den Anfängen des Griedeler Handballgeschehens nicht bekannt sind. Wenn an dieser Stelle dennoch einige Anmerkungen über diese Phase gemacht werden können, so ist dies vor allem den Recherchen von Erich Wetz zu danken, der als 1. Vorsitzender im Vorfeld des 50-jährigen Handball-Jubiläums 1979 die damals noch lebenden Mitbegründer des Handballs in Griedel befragte.

Ausgangspunkt war – wie sollte es auch anders sein – ein Ball, den der junge Turner Ludwig Müller, zu dieser Zeit Student in Gießen, von dort mitbrachte. Die erste „Auseinandersetzung“ mit dem neuen Spielgerät fand auf der sog. Fohlenweide des Hofgutes Bender statt. Zu mehr als Fang- und Wurfübungen eignete sich dieses Weidegelände allerdings nicht. Wollte man sich an einem Spielbetrieb mit anderen Vereinen gemäß dem seit 1919 fixierten Handball-Regelwerk beteiligen, so brauchte man ein größeres Spielfeld. Eine sportbegeisterter Griedeler Landwirt stellte schließlich sein Wiesengelände hinter der Bleich gegen einen geringen Pachtzins zur Verfügung. Spiele vor heimischer Kulisse waren nun möglich, jedoch mit einem „kleinen Problem“: die Mitte des neuen Sportplatzes zierte nämlich ein mächtiger Telegraphenmast, den es neben den gegnerischen Verteidigern zu umspielen galt. Doch dieses Manko trübte die Begeisterung der Griedeler Handballpioniere ebenso wenig wie die Tatsache, dass es in den ersten Jahren zumeist deftige Niederlagen zu registrieren galt. Beim Auswärtsspiel in Anspach im Taunus – Hin- und Rückfahrt erfolgten übrigens mit Fahrrädern (!) – musste man sich beispielsweise 0:23 geschlagen geben, und auch die neu beschafften gelben Trikots mit rotem Brustring flößten den Gastgebern beim Spiel in Pohl-Göns wenig Respekt ein, Pohl-Göns siegte mit 12:1. Die Griedeler Truppe konnte aber auch Spiele für sich entscheiden, angeblich immer dann, wenn das Wetter regnerisch war, da man vor keinem Schlammloch zurückschreckte.
Folgende Männer pflegten als erste das Handballspiel in Griedel:

Werner Bopp, Rudolf Bender, Heinrich Dörr, Eugen Dietz, Peter Dressen, Karl Dunczewski, Walter Gilbert, Eugen Gilbert, Albert Heß, Georg Kopf, Albert Kopf, Heinrich Loder, Eugen Müller, Fritz Müller, Dr. Ludwig Müller, Ludwig Strasheim, Julius Strasheim, Eugen Tröster, Otto Wetz

Als Betreuer und Abteilungsleiter fungierte Wilhelm Habermehl, trainiert wurde die Mannschaft von dem Butzbacher Polizeibeamten Straube.

Krisenerscheinung / Der Verein in nationalsozialistischer Zeit

Was den Handballsport in Griedel in den ersten Jahren nach seiner Einführung stark belastete, war nicht nur die dürftige und oft mangelhafte Unterstützung durch den von den Turnern dominierten Hauptverein, sondern fast in noch größerem Maße das Nebeneinander von Fußball und Handball in einem Dorf mit noch nicht einmal 900 Einwohnern. Die Existenz zweier Rasensportarten in einer derart kleinen Gemeinde musste zwangsläufig dazu führen, dass beide nur ein kümmerliches Dasein fristeten und eigentlich kaum lebensfähig waren. So verwundert es denn auch kaum, dass der Handball-Spielbetrieb in Griedel in den Jahren 1934/35 ein vorläufiges Ende fand.

Aber nicht nur die Handballer hatten in dieser Zeit mit Problemen zu kämpfen, sondern auch das Turnen stand 1934 vor der Existenzfrage. Der Turnbetrieb war fast zum Erliegen gekommen und wurde durchweg nur noch von Damen- und Schülergruppen getragen. Das ehemalige Hauptgerippe des Vereins, die jugendlichen und erwachsenen Turner, fehlte fast vollständig. Andeutungen über die Gründe für diese Situation finden sich im Protokoll zur Generalversammlung vom 13. Januar 1934. Zitiert wird hier der 1. Vorsitzende mit den Worten, „dass die Turnsache im vergangenen Jahre wegen des Umschwungs in unserem Vaterlande, sowie der Eingliederung der meisten Turner in die SA nicht so gepflegt werden konnte, und dass im kommenden Jahre Vereinbarungen mit den Orts-SA-Führern getroffen werden sollen, zwecks Widmung und Pflege unserer Turnsache“. Offenbar waren die Bemühungen dahingehend aber nicht sehr erfolgreich, denn ein gutes halbes Jahr später, am 4. August 1934, musst sich eine außerordentliche Generalversammlung mit dem einzigen Tagesordnungspunkt „Auflösung oder Weiterbestehen des Vereins“ befassen. Nach kontroverser Diskussion entschieden sich die anwesenden Mitglieder schließlich einstimmig für das Weiterbestehen, in der Hoffnung, „die kommenden Zeiten (würden) für das Vereinswesen eine gute Zukunft bringen“ (Protokoll).

Man sieht, wie rasch die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland auch das Innenleben eines ländlichen Vereins tangierte. Die NS-Organisationen SA und HJ mit ihrer Vielzahl von Dienstpflichten raubte dem Turnverein zunächst geradezu ein Aktiven-Potential.

Bereits am 13.05.1933 hatte eine Versammlung stattgefunden, in der die von den neuen Herrschern verlangte „Gleichschaltung“ des Vereins vollzogen wurde. Den Mitgliedern wurden die Verfügungen von Staat und Partei bekannt gegeben. Von nun an durfte nur noch der Vorsitzende – bzw. wie er jetzt hieß – Vereinsführer g e w ä hl t werden. Dieser hatte dann – analog dem NS-„Führerprinzip“ seine weiteren Vorstandskollegen zu bestimmen. Darüber hinaus wurde an diesem Tag auch das sog. „Wehrturnen“ als nunmehr verbindliches Programm der Turnvereine vorgestellt. Symbolischer Beweis für die Eingliederung des Vereins in das nationalsozialistische Ordnungsgefüge war das Absingen des „Horst-Wessel-Liedes“ am Ende der Versammlung.

Auf für die folgenden Jahre finden sich im Protokoll immer wieder Belege dafür, wie auch die Turnvereine für die politischen Herrschaftsinteressen des diktatorischen Regimes mit seinen zukünftigen Kriegszielen instrumentalisiert wurden: sei es die Schilderung über ein Werbeturnen zugunsten des Winterhilfswerkes im März 1935 oder aber der Hinweis auf eine gute Platzierung eines Vereinswettkämpfers beim Hoherodskopf-Turnfest, ebenfalls 1935, in der Disziplin Handgranaten-Weitwurf!

Eine gewisse Ambivalenz in der Einstellung des Griedeler Turnvereins gegenüber den neuen Verhältnissen in Deutschland ist allerdings ebenso wenig zu übersehen. Einerseits bedauerte man zwar, gerade in den Jahren 1934/35, den personellen Substanzverlust (die Ursachen wurden erwähnt) , andererseits aber – und dies wird deutlich, wenn man im Protokollbuch auch einmal „zwischen den Zeilen“ liest – wurde der gewandelte Zeitgeist in Turnerreihen auch mit nicht geringen Sympathien begleitet. Nicht zuletzt wurden die Anordnungen des Reichssportführers von Tschammer und Osten immer sehr diszipliniert verkündet und äußerst beflissen umgesetzt.

Die Tatsache, dass das NS-Herrschaftssystem nach wenigen Jahren die totale Kontrolle über alle gesellschaftlichen Bereiche, als auch über das Vereinswesen, gewonnen hatte, und die Erkenntnis von Staat und Partei in den Turnvereinen durchaus Loyalität vorzufinden, führte dazu, dass den Turnern wieder vermehrt Freiraum für ihr Hobby zugestanden wurde.

Vorübergehender Wiederaufschwung

Die im letzten Absatz angedeutete Entwicklung hatte für den Turnverein Griedel zur Folge, dass der Turnbetrieb am 1936/37 einen sichtbaren Wideraufschwung erfuhr. Traditionelle Veranstaltungen, wie das Vereinsabturnen, verzeichneten hohe Teilnehmerzahlen, und auch die Turnfestbesuche erfreuten sich einmal mehr wachsender Beliebtheit. Eine ganze Reihe von Nachwuchsturnern drängte in den Vordergrund und überzeugte mit guten turnerischen Leistungen bei den einzelnen Wettkämpfen. Stellvertretend sei hier der spätere langjährige verdiente Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende des Vereins, Kurt Kraul, genannt der als Jungturner regelmäßig mit ausgezeichneten Leistungen aufwartete.

Aber schon die Versammlungsprotokolle des Jahres 1938 beinhalten wieder reichlich Klagen über mangelnden Turnstundenbesuch, vor allem über das Fernbleiben der Jugendlichen. Unter Umständen war diese Situation für den Vorstand dann mit ein Grund, eine Fusionsinitiative zu ergreifen, die dann praktisch das gesamte Vereinsjahr 1939 mehr oder minder ausfüllte und die im folgenden Abschnitt noch kurz gestreift werden soll.

Vom Turnverein zum Turn- und Sportverein

Seit dem Jahr 1921 existierte in Griedel ein zweiter Verein, der sich die Pflege körperlicher Betätigung zum Ziel gesetzt hatte: der Radsportclub „Sturm“. Unter den Gründungsmitgliedern befand sich auf Franz Wilhelm Beck aus Rockenberg, der spätere 1. Vorsitzende des Hessischen Turnverbandes. Über zehn Jahre hinweg füllte Georg Sack die Funktion des Vorsitzenden aus und wurde 1931 aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Die Griedeler Radfahrer haben in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren eine erfolgreiche Vereinsarbeit geleistet und auch überregional bei Straßenrennen und Kunstfahrveranstaltungen zahlreiche Trophäen errungen. Detaillierte Schilderungen jener Phase sind allerdings kaum möglich, da protokollarische Aufzeichnungen fehlen bzw. abhanden gekommen sind. Bekannt ist allerdings, dass das 4. Bundesfest des Radfahrerbundes Hessen und Hessen-Nassau nach Griedel vergeben und vom 5.-7. Juli 1930 zu einem besonderen radsportlichen Ereignis in der Gemeinde wurde. Sicherlich ein Indiz dafür, welcher Wertschätzung sich die Griedeler Radsportler in der Region erfreuen durften.

1939 endete dann die Eigenständigkeit des Radsportclubs „Sturm“

Bereits seit 1938 verzeichnet das Protokollbuch des Turnvereins „Frischauf“ Griedel, Überlegungen des Vorstandes, einen Zusammenschluss mit dem Radsportclub zu erwirken. Dabei wollte man ganz offensichtlich das Nützliche mit dem Gebot der Zeit verbinden. Das Nützliche bestand in der Hoffnung auf Verbesserung der Nachwuchssituation, das Gebot der Zeit war eine Verordnung von allerhöchster Stelle. Zur Verwirklichung des Zieles, „in Volk in Leibesübung“ hatte Hitler durch den „Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen“ an die vereine die Weisung zur Konzentration erteilt – und da passten zwei Sportvereine in einem Dorf nicht mehr ins ideologische Konzept. Die Fusionsbestrebungen wurden von der örtlichen Parteiführung in erheblichem Maße forciert, nicht zuletzt deshalb, weil hier auch personelle Verflechtungen mit der Tunvereinsführung vorlagen.

Von Seiten der Radsportler waren zunächst doch deutliche Bedenken gegenüber dem Zusammenschluss zu verzeichnen, die in mehreren gemeinsamen Vorstandsitzungen in der ersten Jahreshälfte 1939 zum Ausdruck kamen. Man befürchtete eine reine Vereinnahmung und keine angemessene Berücksichtigung der Radsportinteressen.

Aber der angesprochene politische Druck verfehlte seine Wirkung nicht: der Radsportclub willigte schließlich in die Fusion ein, die dann am 13.5.1939 auf einer außerordentlichen Generalversammlung vollzogen wurde. Der Verein nannte sich von nun an Turn- und Sportverein Griedel. In der Besetzung der Vorstandsfunktion dominierten Mitglieder des früheren Turnvereins, Vereinsführer blieb Richard Bender.

Zweifellos hat die Art und Weise, wie dieser Zusammenschluss erreicht wurde, nicht zu den rühmlichen Episoden der Vereinsgeschichte gezählt.

Epilog

In der Praxis konnte sich die nun erreichte Gemeinschaft von Turnern und Radfahrern dann allerdings kaum noch bewähren. Knapp vier Monate nach der Fusion begann der Zweite Weltkrieg und sollte jegliche Vereinsarbeit für nahezu sieben Jahre unterbrechen. Auch die vorgesehenen Feiern zum 40-jährigen Vereinsjubiläum im September 1939 fanden selbstverständlich nicht mehr statt.

Im selben Monat findet sich einer der letzten Einträge des Protokollanten mit folgendem Inhalt: „Das deutsche Volk hat einen ernsten Kampf um seine Lebensrechte zu führen. Neider und ewige Feinde unseres Vaterlandes wollen das aufstrebende Deutschland auf die Knie zwingen… Fünfzig Männer unseres Heimatdorfes tragen den grauen Soldatenrock und stehen zum Schutze der Grenzen bereit“.

Diese – die damalige politische Realität pervertierenden – Sätze zeigen in trauriger Weise, inwiefern es den Demagogen an der Spitze des NS-Regimes gelungen war, große Teile eines Volkes zu verblenden und für ihre verbrecherischen Ziele zu benutzen, sie zeigen vielleicht aber auch, wie allzu leicht sich viele haben blenden lassen.

In der Hoffnung, dass sich solche Zeiten nie wiederholen mögen und das unser heutiger pluralistischer Staat mit seiner freiheitlichdemokratischen Grundordnung auch weiterhin die Rahmenbedingungen für vielfältige sportliche Betätigung sichert, sollen die Ausführungen zu diesem Teil der Vereinsgeschichte beendet werden.

Teil 2: 1946 – 1974 (von Josef Schrenk)

Bedingt durch den 2. Weltkrieg liegen nach der Generalversammlung am 13.02.1940 zur Generalversammlung am 18.05.1946 keine Aufzeichnungen vor. Während dieser Zeit waren die Vereinsaktivitäten auch ganz zum Erliegen gekommen und der größte Teil der Sportkameraden befand sich an der Kriegsfront, von der viele nicht zurückgekehrt sind.

Umso erstaunlicher war es, dass in dieser schwierigen Nachkriegszeit mit all ihren Folgen und Nöten der Verein wieder so schnell auf die Beine kam. Bereits bei der Generalversammlung am 18.05.1946 wurde ein neuer Vorstand gewählt, der sich aus folgenden Sportfreunden zusammensetzte:

  • 1. Vereinsführer: Rudolf Wagner
  • 2. Vereinsführer: Albrecht Kopf
  • Schriftführer: Karl Heinz Schmidt
  • Kassenwart: Alfred Wetz
  • 1. Sportwart: Erich Fenchel
  • 2. Sportwart: Edgar Strasheim
  • Zeugwart: Erwin Hoffmann
  • 1. Beisitzer: Wilhelm Wetz
  • 2. Beisitzer: Heinrich Loder

Schon bei dieser Versammlung wurde beschlossen, eine Handballmannschaft aufzustellen, was auch kurzfristig in die Tat umgesetzt wurde. Dann bereits am 30.05.1946 wurde das erste Spiel in Gambach ausgetragen, das mit 8:4 verloren wurde. Vorläufig mussten alle Spiele auf auswärtigen Plätzen ausgetragen werden, da in Griedel noch kein Sportplatz zur Verfügung stand. Dies änderte sich am 04.08.1946, denn an diesem Tag wurde der Sportplatz an der Wetter eingeweiht. Der Platz war zwar noch nicht ganz fertig, unter anderem befand sich auf dem Spielfeld ein Telefonmast, für heutige Verhältnisse undenkbar, aber ein Anfang war gemacht.

Obwohl in den folgenden Jahren die Handballabteilung immer mehr das Vereinsgeschehen prägte, so waren doch die Abteilungen Turnen, Radsport und Tischtennis immer noch sehr aktiv. Die Teilnahme an den Weidig-Bergfesten in Butzbach, sowie eigenen Sportveranstaltungen mit Radsport, Turnen und Leichtathletik verschiedener Art sind Beweis dieser Aktivitäten.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben des TSV war das 50-jährige Bestehen des Vereins, das vom 18. bis 20. Juni 1949 mit einem Volksfest groß gefeiert wurde. Dieses Fest das mit einem Festzug durch den Ort, verschiedenen Sportveranstaltungen, musikalischen Darbietungen mit Tanz in einem großen Festzelt, sowie einem Vergnügungspark auf dem Sportplatz abgehalten wurde, dürfte noch heute so manchem älteren Bürger aus Griedel, aber auch aus den Nachbargemeinden, in guter Erinnerung sein.

Auch Anfang der fünfziger Jahre verfügte der Verein weiter über vier aktive Abteilung. Zudem wurde von Wilhelm Habermehl 1952 ein Spielmannszug ins Leben gerufen, der aber auch nur wenige Jahre Bestand hatte.

Nachwuchsmangel und fehlende Trainingsmöglichkeiten waren wohl zwei der wichtigsten Gründe für einen starken Rückgang der Turnabteilung, aus der sich der Turn- und Sportverein ursprünglich gebildet hatte, bis 1958 der Turnbetrieb vollkommen eingestellt wurde. Ähnlich ging es auch der Abteilung Radfahren, die zwar Anfang der fünfziger Jahre noch schöne Erfolge zu verzeichnen hatte, aber auch für diese Abteilung stellte sich ab 1958 kein Abteilungsleiter mehr zur Verfügung. Da sich 1953 die nach dem Kriege gegründete Tischtennisabteilung vom TSV löste und einen eigenen Verein gründete, konzentrierte sich das Geschehen des Vereins nun fast ausschließlich auf die Handballabteilung.

Mit der Gründung des VfB Griedel im Frühjahr 1953 kamen auf den TSV neue Probleme zu. Zum einen band dieser Verein einen Teil der Jugendlichen an sich, zum anderen war die Benutzung des Sportplatzes ein Reibungspunkt dieser beiden Rasensport treibenden Vereine.

Die Erfolge der Handballabteilung, die sich anfangs der 50er Jahre eingestellt hatten und deren Hauptschützen die Brüder Edgar und Helmut Strasheim sowie Torhüter Lothar Bender waren, wurde nun immer seltener, da es zusehends an Nachwuchsspielern mangelte bis schließlich 1956 der Spielbetrieb der 1. Mannschaft vollkommen eingestellt wurde. Viel Idealismus war in dieser Zeit vor allen, wie z.B. Spielern, Betreuern und auch Schiedsrichtern gefordert, denn an vielem heute selbstverständlichem mangelte es in dieser Zeit. vielem heute selbstverständlichem mangelte es in dieser Zeit. So wurden manche Talente nicht entdeckt oder verkümmerten schon in der Entstehung. Noch schlechter hätte es für den Griedeler Handball in dieser Zeit ausgesehen, wäre nicht ein Idealist wie Norbert Schäfer gewesen, der eine Jugendmannschaft aufbaute, die fast geschlossen in die 1. Mannschaft aufrückte und hier sogar den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte. Ein Wechselbad von Höhen und Tiefen kennzeichnete die folgenden Jahre der Handballabteilung, denn neben schönen Erfolgen gab es auch immer wieder Rückschläge zu verkraften.

Von allen anderen Abteilungen waren in diesen Jahren keinerlei Lebenszeichen zu erkennen. Erst 1965 mit der Fertigstellung des Griedeler Bürgerhauses begann der Turnbetrieb wieder aufzuleben, der sich auch bis in die heutige Zeit, wenn auch ausschließlich mit Kinderturnen am Leben gehalten hat.

War es Mitte der 60er Jahre der Feldhandball der dominierte, so begann man auch immer mehr Wert auf den Hallenhandball zu legen. Unter dem Spielertrainer Fritz Karl Dannwolf zeigt sich jetzt ein klarer Aufwärtstrend in Halle und Feld. 1966/67 schaffte der TSV zum ersten Mal den Aufstieg in die Hallenbezirksklasse.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt erreicht man die größten Erfolge der Vereinsgeschichte im Feldhandball. Nachdem 1969 mit Günther Jakobi ein neuer Trainer zur Verfügung stand, schaffte man schon ein Jahr später den Aufstieg in die Verbandsliga, in der man gleich im ersten Jahr Meister wurde, aber in den Aufstiegsspielen scheiterte. Als man sich Anfang 1973 mit dem 37-fachen ungarischen Nationalspieler Julius Moor verstärkte, ging es weiter bergauf, denn noch im gleichen Jahr gelang der Aufstieg in die Oberliga – Hessens höchste Spielklasse.

Die Erwartungen, die man im Griedeler Lager in die Hallenrunde gesetzt hatte, erfüllten sich allerdings nicht. Der Zwang gewinnen zu müssen, schien einige Spieler nervlich zu überfordern, hinzu kamen noch verletzungsbedingte Ausfälle, so dass sich der erhoffte und gewünschte Erfolg nicht einstellte. Dennoch brauchte man in Griedel nicht zu verzagen, denn außer einer guten 1. Mannschaft hatte der TSV eine hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet, die sich jetzt auszahlte. Begonnen hatte dies alles bereits am 06. Juni 1966, als Walter Hlawiczika eine D-Jugend zusammenstellte, die kontinuierlich ihren Weg ging und in der Saison 1971/72 als C-Jugend von Trainer Otfried Schwarz, selbst ein Spieler der 1. Mannschaft, übernommen wurde. Trotzt Verletzungspech einiger Spieler und unzureichender Trainingsmöglichkeiten war es Otfried Schwarz mit seinen Jungen gelungen, den wohl größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu erringen. Denn unter seiner Regie errang die B-Jugend nach der Kreismeisterschaft auch den Titel des Bezirks- und Hessenmeisters und konnte in Rodalben in der Pfalz auch den Titel des Südwestdeutschen Meisters erringen, der zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Fürth am 06. und 07 April 1974 berechtigte. Und auch hier in diesem Elitefeld schnitt die Mannschaft hervorragend ab und erreichte einen fast sensationellen 5. Platz.

Das 75-jährige Vereinsjubiläum, das 1974 gefeiert wurde, begann am 31. Mai 1974 mit einem Kommersabend im Bürgerhaus. Vorher fand eine Kranzniederlegung für die gefallenen und verstorbenen Kameraden am Ehrenmal statt. Der 2. Vorsitzende, Erich Wetz, der auch die Festansprache hielt, konnte zahlreiche Gäste aus Sport und Politik begrüßen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Gesang- und Musikverein. Der Festprolog wurde von Frau Helga Lang vorgetragen. Am Samstag den 01.06. und Sonntag den 02.06.1974 fanden dann die Sportveranstaltungen der Jugend- und Aktiven Mannschaften auf dem Sportplatz statt. Höhepunkt des sportlichen Teils war am Sonntag ein Freundschaftsspiel der 1. Mannschaft gegen die TSG Niedergirmes aus der Regionalliga. Zum Ausklang dieser Jubiläumstage fand am Montag dem 03.06.74 im Bürgerhaus ein Frühschoppen statt.

Teil 3: 1975 – 1999 (von Thomas Hlawiczka)

Auch im Jahre 1975 feierten die Erfolgsverwöhnten B-Jugendlichen in ihrem ersten A-Jugend Jahr herausragende Erfolge. Über die Stationen Kreis-, Bezirks- und Nordhessenmeister nach Siegen über den TV Maar und den TSV Grebendorf wurde man am 15.3. mit einem 14:8 Sieg über den TSV Rot-Weiß Auerbach in Bensheim erneut Hessenmeister unter der Regie von Trainer Otfried Schwarz und Betreuer Walter Hlawiczka in folgender Aufstellung: Reinhard Frank, Jürgen Strasheim im Tor, Rüdiger Zaremski, Lorenz Himer, Eckart Stowasser, Thomas Hlawiczka, Manfred Krüger, Harald Dreut, Torsten Mattheiß, Jürgen Wrona, Bernd Klass, Manfred Vogt und Jürgen Großmann.

Die Südwestdeutsche Meisterschaft, die diesmal an drei Wochenenden incl. einem Heimspiel in Butzbach mit der Niederlage gegen den späteren Meister Saarlouis-Roden begann und mit Siegen gegen Hassloch und Mainz-Mombach endete, wurde knapp aufgrund des schlechteren Torverhältnisses mit dem Vize-Titel abgeschlossen.

Ein weiterer außergewöhnlicher Erfolg wurde auch im Großfeld errungen. Nach dem Bezirksmeistertitel, was zugleich die fragwürdige Qualifikation zur neu gegründeten Hallen- Jugendverbandsliga bedeutete, wurde man in zwei begeisternden Spielen gegen Böddiger vor hunderten von Zuschauern Nordhessenmeister. Die Krönung stellte schließlich in einem denkwürdigen Endspiel im Butzbacher Schrenzerstadion der 14:11 Sieg gegen die TSG Groß-Bieberau dar. Das bereits in der Halle erfolgreiche Team komplettierten Klaus-Jürgen Wetz, Burkhard Dietz und Bernd Reitz.

Andere TSV Mannscharfen wiesen auch bemerkenswerte Erfolge auf. Die B-Jugend wurde Vize-Bezirksmeister und die 2. Mannschaft in der Besetzung Herbert Bender, Rainer Buss, Fritz-Karl Dannwolf, Axel Fenchel, Uwe Hering, Dieter Kopf, Werner Kopf, Willi Lang, Udo Maurer, Reimund Reuhl, Hartmut Schwarz, Volker Thönges und Günter Wrona Meister der A-Klasse Friedberg/Büdingen.

1975 war auch ein Jahr vereinspolitischer Neuerungen. Kurt Kraul wurde nach 23 Jahren von Erich Wetz als 1. Vorsitzender abgelöst und zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Erstmals wurde über die Bildung von Spielgemeinschaften nachgedacht und Gespräche über die Kleinfeldanlage „Auf der Hühnerweide“ geführt. Jugendspieler fuhren als Belohnung ihrer Erfolge über Ostern nach Berlin und der 16 jährige Klaus-Jürgen Wetz wurde zweiter beim Weidig-Bergfest in seiner starken Altersklasse.

Im darauf folgenden Jahr ging es dann etwas ruhiger zu, was die sportlichen Dinge betraf. Die Leistungen waren eher durchschnittlich, abermals ging es mit der Jugend nach Berlin und der Butzbacher Gymnasiallehrer Horst Rautmann, der mit sehr vielen Griedeler Schülern Deutscher Schulhandball-Meister wurde, übernahm den Trainerposten in Griedel.

Das Pfingstturnier begann immer mehr der Höhepunkt des Vereinslebens zu werden; der Musikverein gab Platzkonzerte, als Vorläufer der heutigen Mini-Spielfeste wurden Geschicklichkeitsspiele durchgeführt, Volkswandern und ein Wertungslauf angeboten.

Sportlich begannen sich weiterhin Wandlungen zu vollziehen. Der Sportbetrieb begann sich auszudehnen, insbesondere dokumentiert durch lange Reisen. Das Vereinsleben wurde durch neue Sportgruppen (Damenhandball und Gymnastikgruppe) erweitert, was natürlich auch Probleme hinsichtlich Trainingsmöglichkeiten, -zeiten und -stätten brachte. Der so genannte „Bolzplatz“ auf der Hühnerweide oberhalb des Bürgerhauses entsteht und erstmals wird mit Hachenburger, Wetz und Strasheim eine Jugendversammlung ins Leben gerufen. Man beginnt, insbesondere um die Beförderung der Sportler abzusichern, Vereins-Versicherungen abzuschließen.

Eine Jugendspielgemeinschaft bei A- und B-Jugend mit dem TSV Gambach wurde 1977 ebenso ins Leben gerufen, wie der im April erstmals stattfindende Turnabend, der Vorreiter der heutigen Turnnachmittage. Ortspolitisch kam vom TSV die Anregung, einen Vereinsring zu gründen, um finanzielle Risiken bei Großveranstaltungen, wie eine Kirmes, auszuschließen. Die Jugendfahrt 1977 fand Richtung Schnackenburg an der ehemaligen Zonengrenze statt.

Sportliche Erfolge feierte der jugendliche Turner Marco Kopf mit dem 3. Platz beim Weidig-Bergfest in seiner Altersklasse und die Handball C-Jugend als Bezirksmeister in der Aufstellung: Frank Deiß, Michael Knebel, Detlef Dannwolf, Helge Dörsam, Christian Winter, Andreas Lill, Mathias Schmidt, Burkhard Strasheim, Holger Sauer, Martin Strasheim und Guido Rokahr ungeschlagen unter den Fittichen von Eckart Stowasser und Werner Kopf. Das Pfingstturnier hatte bereits einige Besonderheiten aufzuweisen. Mit 211 Teilnehmern beim Volkswandern wurde die magische Zahl 200 erstmals überboten, am Start beim Jugendhandballturnier waren die deutschen Spitzenclubs TSV Tempelhof-Mariendorf aus Berlin und VfL Wunsiedel aus dem Fichtelgebirge und als schriftliche Fußnote wurde im Protokollbuch festgehalten, dass der „Vereinsgrill“ eingeweiht wurde. Das Pfingstturnier selbst erlebte ein Jahr später mit 231 Teilnehmern beim Volkswandern einen bis heute bestehenden Rekord und, obwohl das Handballturnier wegen sintflutartiger Regenfälle abgebrochen werden musste, wurde es ein voller wirtschaftlicher Erfolg.

Die Handball A-Jugend wurde Kreismeister, der Gambacher Rolf Weckmann neuer Trainer der Aktiven und die Turnabteilung begann mit stetigen Investitionen den Breitensport zu forcieren. Die organisatorischen und formellen Neuerungen im Vereinsleben nahmen nicht ab. Die allmählich wachsende „Überorganisation der Vereine“ nahm weiter ihren Lauf wie

B. die Erstellung von Bilanzen für das Finanzamt und der weitere Ausbau des Versicherungsschutzes. Mehr Mannschaften und Gruppen bedeuteten mehr Sportgerät, mehr Trikots, mehr finanzielle Aufwendung. Die Vereins- und Vorstandsarbeit wurde immer bürokratischer, immerwährende Veranstaltungen wie Tanz in den Mai, Weihnachtsfeier oder Tanz, Turnnachmittage und vor allem das Handballturnier unverzichtbarer.

Höhepunkt des Jahres 1979 war das Jubiläumsfest „50 Jahre Handball im TSV Griedel“ vom 6. bis 9. Juli. Vor der Jubiläumsveranstaltung wurde auf dem Friedhof den Gefallenen und Toten des Vereins sowie den verstorbenen Abteilungsleitern Helmut Bender, August Kopf und Erwin Mielke gedacht. Das Bürgerhaus war bis auf den letzten Platz besetzt als sich alle Sportler auf der Bühne zeigten und ein eindeutiger Weise die Breitenarbeit des Vereins demonstrierten. Der 1. Vorsitzende Erich Wetzt glänzte mit seiner Festrede über Geschichte, Fairness und Problematik des Sportes allgemein und eines Dorfvereins. Die Feierlichkeiten verliefen in angenehmer Atmosphäre und einem würdigen Rahmen.

Das am Wochenende 7.- 8. Juli stattfindende Handballturnier brachte zum einen die bereits erwähnte Erweiterung zum Aktiventurnen und zum anderen fand es erstmals auf dem „Bolzplatz Hühnerweide“ statt. Aufgrund der ausgezeichneten zentralen Lage wurde die Veranstaltung zu einem Publikumsmagneten mit dem man nicht gerechnet hatte. Wie gesellig es an allen Festtagen zuging, beweist die protokollarische Niederschrift des damaligen Schriftführers Reinhold Strasheim – der Frühschoppen wurde behindert durch: „1. Regenwetter, 2. mangelnde Biervorräte“.

Der Griedeler Vereinsring wird in Leben gerufen und setzt sich bei seiner Gründung aus 13 Vereinen zusammen. Die 1. Mannschaft muss nach jahrzehntelanger Zugehörigkeit in die 2. Bezirksliga absteigen, trotzdem zählt ein immer wiederkehrendes Trainingslager zum festen Bestandteil der Saisonvorbereitung.

Die 80er Jahre begannen mit einem Paukenschlag. „Wie geht es beim TSV Griedel in Zukunft weiter?“ „Wird der TSV Griedel aufgelöst?“ „Gibt es noch ein Happy-End für den TSV Griedel“ waren nur einige Schlagzeilen im März 1980, als der 1. Vorsitzende Erich Wetz aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand. Wurde im vergangenen Jahr noch eindrucksvoll gefeiert und eine bestechende Bilanz vorgelegt, sollte sich zunächst einmal kein 1. Vorsitzender finden. Das „Happy-End“ fand aber statt. Karl-Heinz Faber nahm das Ruder in die Hand und führte den Verein neun Jahre durch Höhen und Tiefen.

Die Jahre 1980 und 81 zeigten eine bis dahin nicht da gewesene Lustlosigkeit bei Übungsleitern und Trainer, die Personaldecke der Handballer wurde immer dünner. Nur einige Aktiven glichen das aus, was das erweiterte öffentliche Freizeitangebot und finanzkräftige Sportvereine boten. Gesellschaftliche Probleme, wie z.B. Geburtenrückgang, sorgten dafür, dass es nie mehr gelang, den Jugendbereich von A- bis E- Jungend komplett abzudecken. Kritiker überwogen Idealisten, aber dieser kurzzeitige Trend solle sich zum Glück nicht fortsetzten.

1982 gab Georg Bauer nach 18 Jahren verdienstvoller Tätigkeit seinen Posten als Handball-Abteilungsleiter ab. Sein langjähriges, uneigennütziges Wirken im Verein als Spieler, über die Region hinaus bekannter Schiedsrichter und kompromissloser Funktionär waren die Gründe dafür, dem gebürtigen Thüringer neben Kurt Kraul bisher als einzigem die goldene Ehrennadel des TSV zu verleihen. Unvergessen neben seiner Diplomatie der alljährige Kampf gegen den Maulwurf des Griedeler Sportplatzes.

1982 stellten die Handballer mit der C-Jugend wieder einen Kreismeister, die Spieler Ralf Krüger und Christian Winter wurden in die Hessenauswahl berufen und bereits ein Jahr später folgten wieder viele sportliche Erfolge. Die 1. Mannschaft unter Trainer Rolf Weckmann mit Jürgen Strasheim, Dieter Strasheim, Ralf Krüger, Burkhard Strasheim, Thomas Hlawiczka, Eckart Stowasser und Burkhard Dietz war wieder in die 1. Bezirksliga aufgestiegen. Meister wurden außerdem die 2. Mannschaft, die B-Jugend und die E-Jugend. Frank Fröhlich wurde Weidig-Bergfest-Sieger im Dreikampf Knaben E.

Das Engagement aller Trainer wurde belohnt und die selbstlose Arbeit von K.-H. Faber führte dazu, dass das Vereinsvermögen ein hohes Niveau erreichte und Investitionen getätigt wurden, um besonders der positiven Entwicklung in der Turnabteilung Rechnung zu tragen. Die Vereinszeitung „TSV-aktuell“ wurde ins Leben gerufen.

Mit Beginn der Hallenrunde 84/85 wurde Klaus-Jürgen Wetz und der Münzenberger Uwe Müller Spielertrainer der 1. Mannschaft. Auf Anhieb wird man Bezirksmeister und steigt in die Oberliga auf. Es sollte bis zum heutigen Zeitpunkt der größte Erfolg einer Griedeler Aktiven-Mannschaft im Hallenhandball bleiben. Neben den beiden Spielertrainern kamen zum Einsatz: die Torhüter Uwe Wolf, Jürgen Strasheim und Klaus-Jörg Kopf sowie die Feldspieler Ralf Krüger, Wolfgang Schepp, Jörg Müller, Eckart Stowasser, Burkhard Dilges, Burkhard Dietz, Thomas Hlawiczka, Burkhard Strasheim und Martin Morneweg. Werner Kopf betreute die Mannschaft vorbildlich, Karl-Heinz Diehl trainierte die Torhüter und Dr. Jürgen Krause fungierte als Mannschaftsarzt.

Die Mannschaft belegt im sehr starken ersten Oberliga-Jahr Platz 10, im äußerst ausgeglichenen zweiten Jahr Platz 11 und steigt schließlich nach dem 3. Oberligajahr 1988 aufgrund großen Aderlasses im Spielerkader wieder in die Bezirksliga ab.

Während dieses Zeitraumes hat das Kleinfeld-Handball-Turnier einen solchen Zuspruch, dass die Kapazität ausgeschöpft ist. Die Popularität des Griedeler Turniers hat sich überregional herumgesprochen. Die B-Jugend mit Trainer Burkhard Dilges wird Kreismeister, Matthias Lenz gewinnt das Weidig.-Bergfest in seiner Altersklasse.

Die Jahre 1987 und 88 wurden leider durch persönliche Auseinandersetzungen und Differenzen geprägt, die dem Verein schweren Schaden zufügten und es zu einem der schwierigsten im Handball des TSV werden ließen. Aufgrund des Abstiegs und seiner Begleitumstände, wurde es schwierig, sich für die kommenden Aufgaben und Jahre zu motivieren, Der damalige Ortsvorsteher Werner Kudraß sagte während einer Generalversammlung treffend: „Breitensport ist ohne Leistung als Leitfigur kaum möglich!“ Sich an diese Aufforderung erinnernd ging es dann unvermindert weiter. Manfred Großmann und später Urgestein Eckart Stowasser übernahmen die 1. Mannschaft, A- und B- Jugend als Spielgemeinschaft mit dem TSV Butzbach spielten in höheren Klassen, erstmals wurde eine Mini-Mannschaft für Jungen und Mädchen im Alter zwischen 4 und 8 Jahren zusammengestellt.

1989 tritt Karl-Heinz Faber von seinem Amt als 1. Vorsitzender zurück, wird wie Kraul und Wetz Ehrenvorsitzender des Vereins und präsentiert mit Rainer Buss seinen Nachfolger. Die 1. Mannschaft steigt trotz des neuverpflichteten Trainers Horst Michler in die 2. Bezirksliga ab und auch die erneute Einstellung von Rolf Weckmann, ein Jahr später, konnte die Talfahrt in die A-Klasse 1991 nicht stoppen. Damit war man sportlich so weit untern wie seit dreißig Jahren nicht mehr. Erfolge feierte in dieser Zeit die Turnabteilung, denn Annika Weppler, Benjamin Heinelt und Sascha Schilar belegten bei Gau-Kinderwettkämpfen und beim Weidig-Bergfest erste und zweite Plätze.

Wilfried Rieß übernahm mit der Saison 91/92 die 1. Mannschaft und schaffte nach knappem scheitern im ersten Jahr 1993 den Wiederaufstieg in die 2. Bezirksliga, wo man bis zum Jubiläumsjahr noch spielt. Mit ihm und Betreuer Werner Kopf feierten den Erfolg: Uli Wolf, Klaus-Jörg Kopf, Markus Langsdorf, Burkhard Strasheim, Roland Kasper, Burkhard Dilges, Andreas Grieb, Björn Kunstler, Carsten Grotegut, Jochen Schepp, Wolfgang Schepp, Mathias Rücker, Jörg Schmidt und Thorsten Thönges.

Handball- und Turnabteilung arbeiteten schon Jahre Hand in Hand, ohne großes Konkurrenzdenken und sorgten somit immer für Harmonie im Verein. Ein wirklich besonderes Merkmal, das seinesgleichen sucht. Stand die Turnabteilung ob der großen Erfolge der Handballer zeitweise im Schatten, so konnte sie sich Anfang der 90er Jahre in ihrer Breite mehr entfalten. Neue sportliche Betätigungen wie Leichtathletik für Kinder, Konditionsturnstunde für Männer, Frauen-Fitness-Gymnastik, Hausfrauengymnastik oder die Purzelstunde boten für jedes Alter und jedes Geschlecht etwas.

Federführend muss hier die Turnfamilie Weppler betrachtet werden, deren persönlicher Einsatz die Turnabteilung prägte. In den folgenden Jahren gab es immer wieder Erfolge bei Turnfesten. Beim Weidig-Bergturnfest wurden in ihren Altersklassen Daniel Müller 1993 Zweiter, Melanie Mattheiß 1993 Dritte, Philipp Hlawiczka 1997 Zweiter und Jascha Stolte 1996 Sieger beim Gau Kinderturnfest.

In der Handballabteilung kehrte nach turbulenten Jahren wieder Ruhe ein. Der Kameradschaftssinn nimmt zu, die Identifikation von Zuschauern zu den Sportlern wächst. Die Jugendmannschaften unternehmen jedes Jahr Freizeitausflüge und dem immer wieder grandiosen Turnier wird 1994 erstmals ein Top-Zeltlager angeboten.

1995 wird der derzeitige 1. Vorsitzende Rainer Hachenburger von der Versammlung gewählt. Der Ruf nach einer eigenen Sporthalle wird immer lauter. Parallel mit dem Wunsch das Bürgerhaus wenigstens sportgerecht zu renovieren, investierte der Vorsand in den Jahren vor dem 100jährigen Jubiläum sehr viel Zeit zur Verwirklichung dieses Planes. Der entstandene Dorftreff wurde aus sozialen Gründen nicht missbilligt, Griedels größter Verein konnte allerdings keinen sportlichen Nutzen aus dem Projekt ziehen. Kommt die mangelhafte Sportstättensituation zur Sprache, so ist doch verwunderlich, wie man zum Teil außergewöhnliche sportliche Erfolge feiern konnte. Trotz vorbildlicher und bestens organisierter Vereinsarbeit sowie eines stetigen Zuwachs im Nachwuchsbereich, kann eine unbefriedigende Sportstättensituation da Aus für einen Verein bedeuten. Die gesellschaftliche Bindung an einen Verein sollte gerade in der heutigen Zeit von Politikern nicht unterschätzt werden und sinnvolle Investitionen unterstützt werden. dass eine solche Sporthalle nicht nur den Aktiven etwas bringt, sondern auch zur Integration mit einem Dorverein führen kann, zeigt der unglaubliche Zuschauerzuspruch im vergangen Jahr 1998, als die 1. Mannschaft den Aufstieg in die Bezirksliga erst am letzten Spieltag in Büdingen knapp verpasste. Nicht nur alte Handballhaudegen, auch Neu-Bürger und Handballuninteressierte sorgen mit ihrer Stimmung für eine sicherlich bemerkenswerte Saison. Der neuverpflichtete Trainer K.-D. Löffler war ebenso zufrieden wie 1997 Karl Heinz Diehl, als er mit der 2. Mannschaft von der B- in die A-Klasse aufstieg. Die A-.Klasse wurde im Jubiläumsjahr 1999 ebenso mit einem Mittelplatz abgeschlossen wie die 1. Mannschaft in der zweiten Bezirksliga.

Die Geschichte des TSV spiegelte alle Höhen und Tiefen eines Vereinslebens wieder. Oft personenbezogen verliefen dazu die Emotionen eines jeden einzelnen. Das demokratische Wirken mit den Griedeler Vereinen, den sportlichen Gegnern und seinen eigenen Nörglern erfüllten immer innerhalb und außerhalb des Vereins ihren Zweck. Die Vereinsgeschicke wurden wenig spektakulär, sondern sachlich korrekt und ohne besonderes Aufsehen geführt. Breitenarbeit war immer das Gebot der Stunde. Sie ist ein Wirken ohne Schlagzeilen und oft auch ohne Erfolge, mit denen man sich nicht öffentlich sonnen kann. Waren sportliche und wirtschaftliche Erfolge einmal da, so sorgte eine stets vorbildliche Vereinsführung für Bodenständigkeit und Loyalität. Eine solch gut funktionierende soziale Gemeinschaft mit der dazugehörigen Freude und Begeisterung ist die Stärke in der dörflichen Welt.