Timm Weiß vor dem Spitzenspiel im Gespräch mit Michael Nickolaus von der Wetterauer Zeitung

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Timm Weiß vor dem Spitzenspiel im Gespräch mit Michael Nickolaus von der Wetterauer Zeitung

Timm Weiß: „Dem Klub etwas zurückgeben“

258 Spiele und 699 Tore – Rekordmarken beim TSV Griedel. Timm Weiß ist die Identifikationsfigur des  Handball-Bezirksoberligisten.  Am Samstag empfängt er mit dem Tabellenführer den Meisterschaftsfavoriten HSG Wettenberg II (drei Minuspunkte weniger) in Butzbach. Das Ergebnis könnte von wegweisender Bedeutung im Titelkampf sein.

Von Michael Nickolaus

Er habe nicht erwartet, »nach einer Katastrophen-Saison« gleich wieder um den Aufstieg mitspielen zu können, zeigt sich  der 29-jährige IT-Systemkaufmann  beim WZ-Besuch in Griedel  überrascht vom bisherigen Abschneiden.  Mit 8:44 Punkten und einer Bilanz von 615:785 Treffern war die Mannschaft aus der 1500-Seelen-Vorstadt von Butzbach nach zwei Landesliga-Jahren  sang- und klanglos abgestiegen. »Mittelfristig muss die Rückkehr allerdings unser Ziel sein. Das ist bei uns im Klub auch vernünftig darstellbar.« Vor der ersten der drei wöchentlichen Trainingseinheiten plaudert Timm Weiß über…
 . . . die Ausgangslage vor  dem Topspiel: Zum Saisonstart hätten wir diese Konstellation mit erst drei Niederlagen vor dem Wettenberg-Spiel gerne angenommen. Nach einer Katastrophen-Saison, wie wir sie hatten, war es für uns vorrangig, uns zu finden, und wieder ein Gefühl zu bekommen, Spiele gewinnen zu können. Das ist uns gleich zu Beginn gut gelungen, so dass wir die Ziele wieder höher stecken dürfen.
 . . . den Gegner: Die HSG ist eine spielstarke Mannschaft, die sich nicht viele Fehler erlaubt. In der Vergangenheit haben wir uns oft schwer getan. An eine Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft glaube ich nicht. Aber klar ist: Wenn wir aber verlieren, müssen wir aber erstmal kleinere Brötchen backen.
 . . . Siegchancen: Wenn wir das Spiel lange offen halten können, steigen unsere Chancen. Das liegt uns. Wir haben schon mehrfach in dieser Saison Nervenstärke gezeigt. Die Spiele, die wir verloren haben, waren – wie zuletzt bei der HSG Mörlen – hingegen frühzeitig entschieden. Ich denke, die Mannschaft ist durch die Erfahrungen aus der Landesliga diesbezüglich gereift. Das ist das Positive, das wir mitgenommen haben.
 . . . Steigerungspotenziale: Im Zusammenspiel haben wir noch Luft nach oben. Davon bin ich überzeugt. Aus den Qualitäten der Einzelspieler lässt sich unterm Strich noch mehr herausholen.
 . . . die Entwicklung der Bezirksoberliga während der zweijährigen Abwesenheit: Ich bin ehrlich gesagt etwas überrascht, dass wir um den Aufstieg mitspielen können, hatte erwartet, dass wir uns schwerer tun. Umso ärgerlicher sind die Niederlagen bei der HSG Dilltal und der HSG Gedern/Nidda zu. Das war völlig unnötig. In beiden Spielen ist uns mal zehn Minuten lang nichts geglückt, da ist der Gegner weggezogen. Aber solche Tage gibt es eben auch.
 . . . den Weg des TSV mit Eigengewächsen: Die Landesliga sollte das Ziel sein und ist für uns als Dorfverein im Grunde genommen auch auf Dauer das Maximum, wenn wir unseren Weg beibehalten wollen. Eine Landesliga-Teilnahme macht uns stolz und lässt sich auch vereinsintern gut darstellen. Wenn einmal wirklich alles passt, sind vielleicht auch ein, zwei Oberliga-Jahre drin. Aber davon sind wir derzeit weit weg.
 . . . Vereinstreue: Das ist in der heutigen Zeit eher die Ausnahme. Ich bin dem Verein sehr dankbar, habe hier meine Kindheit und Jugend verbracht. Der Verein hat mir sehr viel gegeben, wenn ich neben dem Sport beispielsweise noch an Ausflüge und Freundschaften denke. Ich sehe es als Pflicht, jetzt dem Klub etwas zurückzugeben.
 . . . Höhe- und Tiefpunkte: Was immer in Erinnerung bleibt, sind Last-Minute-Siege, Spiele, die in der letzten Sekunde mit einem Freiwurf entschieden wurden; am besten noch in den Entscheidungsspielen um die Qualifikation zur Jugend-Ober- oder Landesliga. So etwas vergisst man nicht. Tiefpunkte sind sicher der Abstieg in der Vorsaison. Da lief es auch persönlich nicht rund. Ich bin mit einem Knorpelschaden lange ausgefallen. Und da macht man sich natürlich so seine Gedanken, ob das alles wieder in Ordnung kommt.
 . . . die Rolle als ältester Feldspieler in der Mannschaft: Das bringt Verantwortung mit sich, zumal in unserem Kader im Grunde genommen der Jahrgang unter mir fehlt. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die in der Landesliga auch sehr viel Lehrgeld hatte zahlen müssen. Natürlich versuche ich Vorbild zu sein; durch Teilnahme und Engagement im Training und im Spiel. Ich kann von den Mitspielern nichts erwarten, was ich nicht selbst vorlebe.
 . . . die heutige Generation: Als ich vom Nachwuchs- in den Aktivenbereich gewechselt bin, war der Kader noch anders strukturiert. Da waren auch mehrere auswärtige Spieler im Kader, auch das Durchschnittsalter war höher. Auf meiner Position spielte beispielsweise ein Michael Zehner, der aus der Regionalliga geholt worden war. Da war man nicht gesetzt, wie vielleicht heute. Da musste man sich in jedem Training und bei jedem Wechsel im Spiel anbieten. Da hat keiner der etablierten Spieler seinen Platz freiwillig abgegeben. Heute ist die Konkurrenz auf Schlüsselposition für junge Spieler nicht mehr so groß.
 . . . Ziele: Als Spieler will ich jedes Spiel gewinnen. Die Konsequenz daraus wäre ein Aufstieg. Mittelfristig muss die Rückkehr in die Landesliga das Ziel sein. Diese Saison sollte eigentlich der Orientierung und Findung in der Bezirksoberliga dienen. Wenn am Ende mehr daraus wird, nehmen wir das gerne mit.
 . . . den Titelfavoriten: Wettenberg II ist mein Topkandidat. Wenn die HSG dem Rest der Liga aber den Gefallen tut und die Konkurrenz ein Wörtchen mitreden lässt, dann wollen wir die Chance ergreifen. Hinter Wettenberg II sehe ich drei, vier Klubs mit Potenzial auf den Titel und die Relegation und erwarte deshalb eine spannende Rückrunde.
 . . . die prägende Trainerpersönlichkeit: Michael Zehner. Er war mein A-Jugendtrainer und spielte in der ersten Mannschaft. Er spielte auf meiner Position am Kreis. Da konnte ich mir natürlich Tricks und Kniffe abschauen. Später war er dann noch fast vier Jahre mein Trainer im Seniorenbereich. Das hat mich – natürlich aufgrund meiner Feldposition – geprägt.